… Wenn der ‚dumme Affe‘ es darauf angelegt hätte, so wäre diese Frucht in seinen Besitz übergegangen, geschält und verzehrt worden, und Dr. Groß hätte die Schalen in der Hand gehalten, noch bevor er etwas davon mitbekommen hätte.
Frau Hauser setzte sich vor mein Gefängnis auf ihren Stuhl und sah mich lange eindringlich an.
„Auch wenn es absurd klingt“, begann sie leise, „aber ich glaube nicht, daß du gefährlich bist.“
Damit streckte sie ihre Hand durchs Gitter und begann, meinen Pelz zu streicheln. Der Blick, der sie in dem Moment traf, überzeugte sie von meiner Harmlosigkeit, denn die junge Frau streichelte mein Fell mehr als fünf Minuten. Ich habe es genossen. Vielleicht kann ich mich einmal revanchieren.
***
Es ist Nachmittag, Frau Hauser sitzt vor dem Käfig, bereitet sich auf unsere Bildersprachstunde vor. Nach langer Zeit des Zauderns halte ich heute den Zeitpunkt für gekommen, die junge Frau dem Schock meiner wirklichen Identität auszusetzen. Hätte ich etwas zu schreiben, wir könnten uns viel Zeit ersparen.
Auf der großen Tafel, die wir für unsere Kommunikationsübungen verwenden, ist unter anderem ein Mensch abgebildet und ein Gorilla. Bisher hatte ich bei der Klassifizierung meiner Persönlichkeit stets auf das Affenbild gedeutet und das Menschenbild ausschließlich ihr zugeordnet. Nun ist es an der Zeit, dieses kleine Mißverständnis geradezurücken.
Mit meinem ausgestreckten Zeigefinger weise ich zuerst auf sie, anschließend auf das Menschenbild. Alsdann deutet mein Finger auf mich und danach ein zweites Mal auf das Menschenbild. Diese Geste schien sie erwartet zu haben, denn sie lächelt nachsichtig.
„Titan ist ein Mensch?“ kommt es über ihre Lippen.
Mein sofortiges Kopfnicken überrascht sie doch ein wenig, denn sie beginnt verhalten zu kichern.
„Und du verstehst jedes Wort von dem, was ich sage?“
Erneut nicke ich ruhig, während meine Augen die ihrigen suchen. Frau Hauser lacht nun hemmungslos, Tränen laufen über ihre Wangen und es dauert eine ganze Weile, bis sie sich etwas beruhigt.
„Dann sage mir, wer du bist!“
Mit diesen Worten verschränkt sie die Arme vor ihrer Brust und schaut mich herausfordernd an. Noch immer vibriert ihr Bauch, noch immer ist sie unbeschreiblich amüsiert. Ihr Blick wandert durch die Glastür, sie prüft, ob niemand ihrem lächerlichen Treiben zusieht.
Mit Hilfe der Tafel gebe ich ihr zu verstehen, daß Affen nicht sprechen können und deute zusätzlich auf meinen Mund, dem es nicht mehr vergönnt ist, etwas anderes als ein paar Vokale zu kreischen. …
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