Nun erwartete Ben die Frage: ‚Na, wieviel waren es diesmal?’, aber sie schwieg. Stattdessen warf sie einen Blick in die Speisekarte auf der Theke. Sie schien nicht zufrieden zu sein, denn augenblicklich legte sie die Karte wieder beiseite. Erneut schickte sie ihren bangen Blick auf Reisen.
„Ich habe Hunger!“ sagte sie knapp. „Wie steht’s mit Ihnen, Mr. Sinclair?“
Ben verspürte nicht den geringsten Appetit, aber sein Pensum für heute hatte er erledigt. In seinen Taschen befanden sich fast 1,1 Mill. Francs in großen Scheinen, das war für einen Abend, und den ersten obendrein, kein geringer Betrag. Vielleicht wäre es wirklich vernünftig, mit ihr zu gehen, zu zeigen, daß er ein ganz normaler Mensch war, falls man ihn beobachten sollte.
„Einverstanden“, sagte Ben, „gehen wir etwas essen. Darf ich Sie einladen, Señora Fuentes?”
„Señorita!“ kam es prompt zurück, und nach kurzem Nachdenken willigte sie ein. Ihre unsteten Blicke galten, wie sie Ben verriet, Kollegen, die sie manchmal belästigten, die sich bei Kongressen an ihre Fersen hefteten, ihr keine ruhige Minute ließen. Heute im Casino war sie glücklicherweise von ihnen verschont geblieben.
Die beiden verließen die Spielbank, Ines führte ihn zu einem exklusiven Fischrestaurant in Hafennähe, das sie gut kannte. Der Kellner begrüßte beide freundlich, teilte ihnen ihre Plätze zu und brachte die Karten. Es war Ende Mai und trotz der späten Nachtstunden warm in dem Lokal an der Cote d’Azur, dennoch behielt Ben sein Jackett an. In seinen Taschen steckten über eine Mill. Francs, er konnte es unmöglich einfach über einen Stuhl legen, geschweige denn in der Garderobe abgeben. Also behielt er es an und ertrug tapfer die Wärme.
Die Auswahl der Speisen überließ Ben der Dame. Ines Fuentes bestellte eine Fischplatte für zwei Personen, dazu einen kalifornischen Weißwein. Der Kellner brachte den Wein, schenkte Ben ein wenig davon ins Glas, der prüfte ihn. Ein edler Tropfen, wie er bemerkte.
„Woher kennen Sie einen solchen Wein, Ines?“ fragte er erstaunt und nannte sie einfach bei ihrem Vornamen.
„Mein Vater hat einen Weinkeller, der international bestückt ist. Sogar australische Weine können Sie dort finden, Benjamin.“
Anscheinend fand auch sie die vertrauliche Anrede ganz in Ordnung, denn als der Kellner ihre Gläser vollschenkte, tranken sie einander zu, und von nun an nannten sie sich beim Vornamen. Ben verspürte zwar noch immer keinen Hunger, aber das feine Odeur, das die Fischplatte umgab, die bald auf dem Tisch stand, drang in seine Nase. …
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