Kapitel VII
Alex Ferguson, der Einsatzleiter der Feuerwehr, hielt den rechten Arm hoch, zeigte damit seinen Kollegen an, er wolle sich zunächst alleine der Stelle nähern, denn niemandem war klar, was da eigentlich vor sich ging. Sie waren zu der Brücke gerufen worden, weil dort offensichtlich jemand in ernste Schwierigkeiten geraten war, hatten alles abgesperrt, aber an besagtem Ort auf der Brücke war nichts zu sehen. Als sich der Feuerwehrmann jedoch über die Brüstung lehnte, erkannte er sofort, dies war kein Fehlalarm, sondern ein Mensch benötigte dringend Hilfe. Er gab seinen Männern Handzeichen, eilig liefen sie herbei. Mit seinem Sprechfunkgerät rief er augenblicklich Krankenwagen und Notarzt, denn was er hier vorfand, sah gar nicht gut aus.
Benjamin Sinclair war über die Brückenbrüstung gestiegen, hatte sich mit seiner unverletzten Hand daran festgeklammert und die zwanzig Meter hinuntergestarrt auf den steinernen Sockel, der etwa einen Meter hoch aus dem Wasser ragte und die braunen Fluten der Themse teilte. Ein letztes Mal drehte Ben sich um, kurz nur schweifte sein Blick über die Stadt, er sah die grauen Häuser am Stadtrand, sah die Rauchwolken der Industrieschornsteine in den blauen Himmel steigen.
‚Grau’, sagte er sich, ‚alles grau.’
Ben war erstaunlich ruhig, Angst verspürte er keine. Als sein Blick wieder zurückkehrte zu dem Blutfleck auf dem Verband, in den seine rechte Hand eingewickelt war, und danach auf die braunen Fluten, die tief unter ihm dahin trieben, hatte er einfach einen kleinen Schritt nach vorn gemacht. Es war ganz leicht gewesen.
Aber der Ausgangspunkt für seine letzte Reise war nicht gut gewählt. Am oberen Brückenträger waren erst kürzlich Bauarbeiten begonnen worden, etwa zwei Meter unterhalb des Bürgersteigs war am Brückenpfeiler eine Stelle frisch ausgebessert, und ein paar eiserne Stäbe, deren Spitzen steil nach oben zeigten, ragten noch aus dem Mauerwerk hervor. Die hatte er übersehen.
Benjamins Fall hatte weniger als eine Sekunde gedauert, da bohrte sich eine der verrosteten Eisenspitzen durch sein linkes Schulterblatt in seinen Rücken und kam an seiner Brust, knapp unterhalb des Schlüsselbeines, wieder zum Vorschein. Als hätte ein gigantischer Greifvogel seine gnadenlose Klaue in Bens Körper geschlagen, so hing er minutenlang zwischen Himmel und Erde, genauer, zwischen Brückengeländer und Themse, sein Rücken wies zum Pfeiler hin. …
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