„Mr. Sinclair! Nun ist es aber wirklich Zeit, Sie haben lange genug geschlafen“, hörte er von unendlich weit her eine durchdringende Stimme rufen.
Es war ihm nicht einmal möglich zu sagen, ob es sich um eine weibliche oder eine männliche handelte, ob man die Stimme überhaupt menschlich nennen konnte. Möglicherweise bildete er sich alles nur ein, träumte er all dies nur.
Eine Ewigkeit später hörte er die Worte erneut, verstand aber deren Sinn nicht. Wieder rief die Stimme laut und dröhnend seinen Namen, nun glaubte er, sie als weiblich identifiziert zu haben. Verwirrt öffnete er seine verklebten Augenlider, es war heller Tag.
Er befand sich in einem Zimmer mit Kruzifix an der Wand. Sofort schloß er die Augen wieder, das grelle Licht blendete ihn entsetzlich, verursachte ihm beinahe körperliche Schmerzen. Allmählich kehrten seine Erinnerungen zurück, das dumpfe Unbehagen in seiner linken Schulter ließ keinen Zweifel daran, daß nicht ein Traum es war, der ihn in ein Bett hinein preßte, sondern die nackte Wirklichkeit.
Die Realität hatte ihn endgültig eingeholt. Erneut öffnete er die müden Augen, unter großer Anstrengung versuchte er, sie offen zu halten, aber Erfolg war ihm noch nicht beschieden. Weitere lange Minuten vergingen, bis sein Bewußtsein völlig zu ihm vordrang, ihn anstieß, ihn rüttelte, ihm zu verstehen gab, daß der Schlaf nun unwiderruflich zu Ende ging. Benjamin blieb ruhig auf dem Rücken liegen und versuchte sich zu sammeln.
Es ist vorbei, sagte er sich schließlich. Du bist in Sicherheit, die Brücke ist weit, weit weg. Durch schmale Augenschlitze betrachtete er seine unmittelbare Umgebung. Er lag in einem Bett, das umrahmt war von weißen Gittern. Ein Kinderbett, dachte er. Ich liege in einem Kinderbett. Und an der Wand dieses Kreuz.
Benjamin versuchte sich aufzurichten, unterließ es jedoch, nachdem er feststellen mußte, seine beiden Handgelenke waren festgebunden.
Warum haben sie mich festgebunden? war sein erster, wirklich klarer Gedanke, und die grausige Erinnerung an die düstere Lagerhalle kehrte schlagartig zurück, wurde aber sofort zurückgedrängt. Eine Schwester trat in sein Blickfeld, eine große Frau mit blonden, zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen Haaren. Ben versuchte zu sprechen, seine Stimme versagte ihm den Dienst. Nun erst begriff er, daß er Durst hatte, immensen Durst sogar, sein Gaumen war völlig ausgedörrt. Die Schwester erkannte es, goß etwas Wasser in ein Glas und führte es an seinen Mund. …
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