Sie machte eine kurze Denkpause, bevor sie reuig fortfuhr.
„Nach allem, was man dir angetan hat, war es mir nicht möglich gewesen, dir schon am Krankenbett die ganze Geschichte zu erzählen. Ich habe es versucht, glaube mir, mehr als einmal. Es war so schwer, Benjamin, so unsagbar schwer.“
Während ihrer Erzählung war Ben im Zimmer auf und ab gegangen. Plötzlich stand auch Patricia auf und ging ins Bad. Kurze Zeit später kam sie zurück und setzte sich wieder. Ihr Make-up war nachgebessert worden, Ben vermutete, daß sie geweint hatte. Aber von den Tränen war nichts mehr zu sehen. Unbeirrt setzte Patricia ihre Beichte fort.
„Schon vor deiner Abreise war vom Syndikat nicht mehr viel zu hören, außer von zwei seltsamen Begebenheiten, die sich kurz hintereinander ereignet haben. Vater hatte ein Zusammentreffen mit einem Mann, den er wohl einst hinter Gitter brachte. Sie haben ihn in einem Fluß in der Nähe von Cambridge gefunden, bis zum Hals im Wasser, festgebunden an einen Rollstuhl, beide Füße einzementiert. Er hat bei dieser Aktion einen Nervenschaden erlitten, konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben und wurde vorzeitig in Pension geschickt.
Ein weiteres Mitglied der Organisation, einen Zahnarzt, fand man kopfüber an einem Seil hängend unter einer Brücke in den Chiltern Hills. Der Mann ist ebenfalls ein nervliches Wrack. Weder mein Vater noch dieser Mr. Hargreaves konnten Angaben machen, wer sie in diese peinliche Lage gebracht hat.“
Nun fiel der prüfende Blick der Richterin auf Ben.
„Du hast nicht zufällig etwas mit diesen Geschichten zu tun, Benjamin?“
Ben war mitten im Raum stehengeblieben und schaute wieder auf den Balkon hinaus. Ein Schwarm Tauben flog gerade im Verband über die bunten Dächer, formierte sich wie ein grauer Kinderdrachen. Ben sah ihm hinterher und sagte leise:
„Selbstverständlich war das mein Werk, und es war notwendig. Ich lasse mir diese Ungerechtigkeiten nicht gefallen. Ich habe diese beiden Männer nicht verletzt, nur erschreckt, so wie sie mich erschreckt haben. …
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