„Wie lange ist er schon tot?“ fragte einer der beiden Kriminalbeamten den Arzt, der seine vorläufigen Untersuchungen abgeschlossen hatte und eben im Begriff war zu gehen.
„Nicht länger als 24 Stunden“, erwiderte der, „eher weniger. Kaum sichtbare äußere Verletzungen. Morgen haben Sie den Bericht, Mr. Horaz.“
Der Arzt verabschiedete sich, mehr konnte er im Moment zur Aufklärung des Geschehens nicht beitragen. Lt. Horaz zog das Tuch vollständig vom Körper des Mannes und schaute interessiert, beinahe etwas neidisch auf dessen Kleider. Der Anzug, den der Mann trug, war aus exklusivem Stoff gewebt, auch die Schuhe waren nicht billig gewesen. Mit seinem Gehalt konnte sich der Lieutenant solch eine Garderobe nicht leisten. Seine Blicke wanderten wieder hinauf, aber es gab keine Auffälligkeiten an dem Mann. Horaz kniete nieder, hob die Jacke des Toten an und griff in die rechte Innentasche. Mit zwei Fingern zog er eine Geldbörse hervor, sie war völlig durchnäßt, auf Fingerabdrücke brauchte er hier nicht mehr zu achten. Beim Öffnen fiel ihm auf, daß die Börse mehrere hundert Pfund enthielt. Ein Raubmord schied also aus, wie auch die kostspielige Uhr am linken Handgelenk des Mannes erkennen ließ.
„Wahrscheinlich hat der Kerl Selbstmord begangen, ist einfach in die eiskalte Themse gesprungen. Damit hat er sich seiner Sorgen entledigt; und uns Arbeit verschafft.“
Der Sarkasmus von Horaz war nicht zu überhören. Wasserleichen gehörten nicht zu seinen Lieblingsobjekten. Konnten diese Leute sich nicht aufhängen, oder Schlaftabletten nehmen? Das waren wenigstens saubere Angelegenheiten; aber ins Wasser zu gehen? Nein, das gefiel ihm ganz und gar nicht. Es war geradezu widerlich.
Soeben wollte Lt. Horaz das Tuch wieder über den nassen Körper legen, als sein Blick auf die rechte Hand des Mannes fiel. Dort fehlte der Mittelfinger, wie abgeschnitten ragte der kurze Stumpf hervor. Sofort griff Horaz zum Mobil-Telefon, wählte eine Nummer und sprach mit einem Kollegen im Präsidium, dem man ein Faible für fehlende Mittelfinger nachsagte. Danach gab er dem uniformierten Beamten das Zeichen, die Leiche wegbringen zu lassen.
Stunden später klingelte Bens Telefon erneut, diesmal war es nicht Janet. …
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