Als der Russe am Roulettetisch erschien, gönnte sich Ben gerade eine Pause. Die Augen des Mannes suchten den Saal ab, er wollte mit Ben spielen, und nur mit Ben. Der hatte ihm zu dem höchsten Betrag verholfen, den er jemals gewinnen konnte, und seine Hoffnung auf eine Fortsetzung am heutigen Tag war nicht ganz unbegründet. Die Nachricht, daß jener Mann anwesend war und auf ihn wartete, wurde Ben umgehend zugetragen. Augenblicklich erklärte der seine Pause für beendet.
Sein Kollege am Rad blickte etwas erstaunt drein, als er nach so kurzer Zeit durch Intervention des Geschäftsführers schon wieder abgelöst wurde, gab den Platz aber willig an Ben zurück, als er von dem bevorstehenden Ereignis in Kenntnis gesetzt wurde. Alle Mitarbeiter im Hause waren bestrebt, die Verluste so gering wie nur irgend möglich zu halten. Dem einen gelang dies besser, dem anderen weniger gut, Ben jedoch mit seinen Möglichkeiten stand auf der Skala ganz oben.
Ohne Eile nahm Benjamin seinen Platz ein, warf einen gespielt gelangweilten Blick in die Runde, bis der Mann aus Rußland in sein Gesichtsfeld trat. In diesem Moment straffte sich Bens Körper erkennbar, eine merkwürdige Unruhe schien ihn plötzlich zu befallen, nervös sortierte er die vor ihm liegenden Jetons in die Bank ein, ließ einige aus den Fingern fallen, nahm sie erneut auf und wieder rutschte ihm ein Chip vom Stapel. Jeder, der ihn in diesen Augenblicken beobachtete, mußte annehmen, daß sein Nervenkostüm heute nicht das beste sei, und exakt so erging es auch seinem goldbehängten Gegenspieler; genau das bezweckte Ben mit seinem Mienenspiel. Denn daß es nur ein Spiel war, wußte niemand außer ihm, und so sollte es auch bleiben.
Wie ein Prüfling beim Examen, der die Fragen und die dazugehörigen Antworten schon kannte, aus welchen Gründen auch immer, setzte sich der Russe an den Tisch, breitete die Masse seiner Spielmarken bedächtig vor sich aus, immer wieder kurze Seitenblicke auf Ben werfend, der in seinem derzeitigen Zustand mehr an ein Kaninchen erinnerte, das unter den Blicken eines hungrigen Wolfes entsetzlich litt.
Endlich schien Benjamin sich gesammelt zu haben, eröffnete die Runde mit der Aufforderung zum Spiel, und die Teilnehmer folgten seiner Bitte. Manche bedächtig, wie der kleine sympathische Mann aus Korea, der das Minimum von 2000 Dollar auf Schwarz setzte, für diesen Tisch eine eher bescheidene Spende. Andere wiederum legten die kostbaren Chips mit einer geradezu beängstigenden Hemmungslosigkeit wahllos auf die grünen Felder vor sich. …
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