Gegenwart und Vergangenheit dem Tode nah
Voller Furcht fuhr ich aus dem Stuhl hoch und glaubte immer noch die blutdurstigen roten Augen vor mir zu sehen. Ich war traurig und durcheinander, meine gute Laune vom Morgen zerstört. Wäre ich nur nicht hierher gekommen. Aber das hätte im Endeffekt auch nichts genutzt, da mich die Visionen inzwischen ja sogar zuhause im Schlaf heimsuchten. Ich hatte es auf einmal sehr eilig, das Museum und das Bild hinter mir zu lassen und ging eilig Richtung Ausgang. Als ich auf den Gehsteig trat, stellte ich überrascht fest, daß ein Gewitter aufgezogen war. Die Frühlingssonne war düsteren schwarzen Wolken gewichen und Blitze zuckten nieder, während der Regen wie aus Kübeln prasselte. Unentschlossen blieb ich unter dem Torbogen stehen und sah über die Schulter zurück. Nein, ins Museum wollte ich jetzt auf gar keinen Fall mehr zurückkehren. Also zog ich, bevor ich es mir doch noch anders überlegen konnte, meine dünne Jeansjacke über den Kopf und machte einen hastigen Satz auf die Straße, um sie so schnell wie möglich zu überqueren. Dann überstürzten sich die Ereignisse. Ich hörte das Quietschen von Reifen, und sah einen Wagen quer auf mich zuschleudern. Vor Schreck wie gelähmt fühlte ich mich plötzlich am linken Arm gepackt und zurückgerissen, während ein stechender Schmerz durch meine rechte Seite raste. Dann umfing mich tiefe Dunkelheit. Als ich noch einmal halb aus meiner Ohnmacht auftauchte, sah ich in schwarze Augen, die liebevoll und doch traurig auf mich nieder sahen. Mit erlöschenden Sinnen klammerte sich mein Blick an dieses Gesicht, wie ein Ertrinkender sich ans rettende Ufer. Während ich von zwei Sanitätern auf einer Trage in einen Krankenwagen gehoben wurde, glaubte ich zu hören, wie ein dunkler Jüngling flüsterte: „Auf Wiedersehen, vielleicht in einem anderen Leben.“ Als ich schon wieder in das stille Dunkel zurückglitt, spürte ich noch warme Lippen auf meiner Stirn, dann wurde es schwarz um mich.
*
Der Tag des großen Festes war angebrochen. Die ganze Tempelanlage, die umliegenden Städte und Dörfer, brodelten vor Betriebsamkeit und Aufregung. Die Vorbereitungen waren beendet und gegen Mittag sollte das Fest mit einem Tanz der jungen Dienerinnen des Minotaurus beginnen. Bei dieser Gelegenheit würden nur die sieben für das heutige Opfer vorgesehenen Mädchen tanzen. Das Wetterschien es gut mit dem Gott zu meinen. Es versprach ein ausgesprochen warmer Frühlingstag zu werden, denn schon am Morgen brannte die Sonne heiß von einem strahlend blauen Himmel. …
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