…
„Was steht eigentlich auf der Tafel?“ Und nach einer kurzen Pause deutete sie beschämt auf ihren Oberarm „und hier?“
Der Zeigefinger des Mannes tippte auf ihr Brandzeichen. Sie zuckte unwillkürlich zurück, obwohl es nicht mehr wehtat.
„Die Zeichen hier oben bedeuten SERVA, was so viel heißt, wie“, er suchte nach dem passenden Wort, „wie Dienerin, glaube ich. Und darunter steht ein Buchstabencode, der dich identifiziert. Er zeigte auf die Schiefertafel: Da steht im Prinzip genau das Gleiche drauf, nur ist hier unten noch die Länge des Dienstverhältnisses und der Zahlbetrag angegeben.“
Sylvia blickte den Mann erwartungsvoll an und brachte nur zwei Worte über die Lippen. „Wie lange?“
Der Mann sah sie erstaunt an. Dann zeigte er ihr drei Finger seiner rechten Hand und fügte flüsternd das Wort Jahre hinzu.
Plötzlich schien der Boden unter ihren Füßen zu wanken. Es fühlte sich an, als würde sie neben sich stehen und auf sich selbst hinabblicken können. Drei Jahre, war das wirklich wahr? Obwohl sie wusste, dass es wahr war, konnte sie es nicht glauben. Schließlich zeigte die Zahl genau das an. Dreimal dreihundert-fünfundsechzig Tage. Da stand es, weiß auf schwarz: 1095!
Sie registrierte kaum, wie der Aufseher ihr die Fußfesseln löste, ihr die raue, kratzige Decke über die Schultern legt und sie von ihrem Podest hinunter schob. Das Prozedere hatte sie nun schon oft beobachtet. Seine unverständlichen Worte schossen an ihr vorbei, als stünde sie unter einem Wasserfall. Dann der symbolische Händedruck des Aufsehers. Ob es wohl gute Wünsche für sie gewesen waren? Sylvia wünschte es sich.
Der Mann in den Kaki Hosen reichte ihr seine Hand, „Komm!“, und führte sie auf die Ausgangstür zu, mit der sie schon so unangenehme Erfahrungen gemacht hatte.
...
Die Fahrt
Grelles Sonnenlicht brannte wie damals in den Augen und der Sand unter ihren nackten Fußsohlen war kochend heiß. Was sollte sie bei der Hitze mit dieser miesen, kratzigen Decke anfangen, die immer alle bekamen. Am liebsten hätte Sylvia sie auf der Stelle fallen lassen. Doch Aufruhr, ihretwegen, jetzt noch, auf den letzten Metern, dass was das Letzte, was sie sich im Moment wünschte. Folgsam trottete sie hinter dem Filzhutmann her, auch wenn der heiße Boden an den Füßen brannte. Das war ihr neuer Herr. Bei dem Gedanken zuckte Sylvia unwillkürlich zusammen. Sie würde sich nie, nie, NIE! an diese Ausdrucksweise gewöhnen. …
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