… Ein roter Faden zog seine Spur über die kryptischen Schriftzeichen, als wolle er sie mit Blut signieren.
Von der weiteren Verhandlung bekam Sylvia nicht mehr viel mit. Beim Verlesen des Urteils hätte sich der Übersetzer jede Mühe sparen können.
Dann bekam sie den obersten Zettel zugeschoben. Ihr Blutfaden zeichnete ein seltsames Muster quer über die halbe Seite. Langsam breitete sich ein nasser Fleck auf dem Papier aus, in welchem die Farbe der Zeichen verschwamm. Der Wachmann befreite ihren rechten Arm und drückte ihr einen kurzen, schwarzen Stift zum Unterschreiben in die Hand. Sylvia blinzelte. Der Stift war dünn und weich, er stellte kaum eine Gefahr dar. Sollte sie es dennoch versuchen? Aber dann musste sie schon in ein Auge treffen. Es war aussichtslos.
Der Übersetzer versuchte zu erklären, doch ihr Auffassungsvermögen war erschöpft. Die Sätze rauschten vorbei, wie vom Sturm getriebene Nebelschwaden, brausten einfach nur über ihren Kopf hinweg. Die einzigen Worte die hängen blieben waren: „Keine Unterschrift, dann Gefängnis!“
Irgendwann nahm sie den Stift und unterschrieb. Der Stift schmierte durch die Spur ihres eigenen Blutes.
Es war getan. Dann sackte ihr Kopf kraftlos auf die Tischplatte.
Der Kerker
Waren das tatsächlich ihre Erinnerungen? Sie schüttelte den Kopf, konnte kaum glauben wie sich alles entwickelt hatte. Es stand eindeutig weit schlimmer um sie, als sich Sylvia bis jetzt eingestehen wollte.
„Das war eindeutig Daves Schuld, verdammt noch mal. Das war seine verdammte Reise! Eigentlich sollte er jetzt hier sitzen und nicht ich.“ Sie flüsterte die Worte wie ein Mantra ins Dämmerlicht. Dann hielt sie inne und schaukelte mit dem Kopf vor zurück, vor zurück, als versuchte sie mit dieser nickenden Geste sich selbst zu überzeugen. Doch die Worte wurden dadurch nicht wahrer.
„Sylvie, ist dir überhaupt bewusst, über was für einen Unsinn du hier nachdenkst?“ Sie griff sich mit grauen, staubigen Fingern an die Stirn, wo die Fingerspitzen dunkle Spuren hinterließen. Auch die Platzwunde auf ihrem Kopf war inzwischen verheilt, wenngleich sie eine hässliche Narbe hinterlassen hatte. Durch den Haaransatz konnten ihre Fingerspitzen sie aber immer noch ertasten. - Und was für ein Glück: Es tat nicht mehr weh! Das hatte es wirklich lange genug. Besonders in den Tagen nach der Verhandlung, als sie in einer winzigen Zelle wieder zu Bewusstsein kam, genauso staubig und halbdunkel wie die kleine Kammer, in welcher sie gerade an der Wand lehnte. …
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