… In Gedanken sah sie das Ende der Welt mit voller Geschwindigkeit auf sich zu rasen. „Das hältst du nicht durch, Sylvie!“, lästerte die Stimme in ihrem Kopf. „Die machen dich fertig! Fix und fertig! Und du erkennst das inzwischen, nicht wahr?“ Wieder sah sie das Bild des Heuwagens vor sich.
Einer der Anwälte stolzierte im Saal wie wild gestikulierend auf und ab, schien ihr Drohungen und Vorwürfe zu machen. Sylvia zitterte am ganzen Leib, obwohl es nicht kalt im Verhandlungssaal war. Sie konnte dieses Kauderwelsch nicht länger ertragen. „Tu es doch, Sylvie, tu es doch endlich!“ Sylvia blickte erneut zum Fenster. „Mein Gott, bist du eine Memme, Sylvie. Eine ewige Verliererin!“
Sie biss sich auf die Zunge. Schien erstarrt.
„Gewinnen ist dein Job, Sylvie, oder etwa nicht mehr?“
Ein Gerichtsdiener trat auf sie zu und legte einen Stoß Papiere vor sie auf den Tisch. Sie blickte auf die vielen Seiten Text. Mit den Schriftzeichen konnte sie nichts anfangen. Lustige Krakel? Was sollte sie damit? Der Mann mit dem schwarzen Umhang und der lauten Stimme trat die Stufe zu ihrem Tisch hinauf und stützte sich vor ihr mit beiden Armen auf die Tischplatte. Sein stechender Blick brannte in ihren Augen. Dieser eisige graue Blick fesselte sie für einen Moment. Wenn nur die Stimme nicht so laut wäre.
Sylvia kniff die Augen zusammen und blickte zur Seite, zum Fenster. Hinter ihren Schläfen klopfte das Blut. Was sollte sie tun? Sie keuchte, doch ihr Gegenüber redete unbeirrt weiter auf sie ein.
Dann war es genug. Von einem Augenblick zum nächsten sprang sie vom Stuhl auf, der polternd nach hinten umkippte und raste los. Den Mann im schwarzen Umhang stieß sie zur Seite, sodass dieser zurück in die Mitte des Saals taumelte. Sylvia sprintete zum Fenster. Soviel Kraft hätte sie sich selbst nicht mehr zugetraut. Der schwarz gekleidete Anwalt stolperte rückwärts die Stufe hinab und ging zu Boden, aber davon bekam Sylvia schon nichts mehr mit. Sie hatte nur noch diesen einen Augenblick und ausschließlich Augen für das Fenster. Für die Freiheit! Bald war es so weit.
In Sekunden durchquerte sie den Saal. Jetzt konnte sie schon die Freiheit unten vor dem Fenster sehen. Sie befanden sich im zweiten Stockwerk. Verdammt! Von ihrem Platz hatte es nicht so hoch ausgesehen. Doch das musste jetzt egal sein! Für einen Rückzieher war es deutlich zu spät.
Noch vier Meter!
Dort unten konnte sie tatsächlich einen parkenden Lastwagen durch das Fenster erkennen. …
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