…
Auf dem Weg kam sie noch einmal an der Tür in der Glaswand vorbei, die jetzt vollständig geöffnet war. Von draußen fauchte eisiger Nachtwind herein und ließ sie frösteln. Wie lange noch bis zur Morgendämmerung? Den kurzen Impuls, dort hinauszuflüchten, konnte sie gerade noch ersticken. Sie fror so schon in den klatschnassen Sachen. Ihre hohen Schuhe rutschen auf dem nassen Steinboden. „Wie Blitzeis“, ging es ihr durch den Kopf. Du musst jetzt vorsichtig sein, Sylvia. Musst überlegt vorgehen, sonst wird es gefährlich.
Sie hielt kurz inne, spürte das kalte Wasser auf ihrem Körper und atmete tief durch. Egal! Sie war Sylvia Steiner. Irgendwie würde sie es jetzt dort hinauf schaffen und dann war alles wieder gut. Mit einer fließenden Handbewegung wischte sie sich die nassen Haare aus dem Gesicht, nahm ihre hohen Schuhe in die Hand und stieg die Treppe empor, über welche ihr das Wasser entgegenströmte.
Sylvia würde noch Wochen brauchen, um zu erkennen, was in dieser Situation wirklich geschehen war. Doch im jetzigen Moment ahnte Sie noch nicht, dass genau hier ihr Schicksal falsch abgebogen war.
...
Aber so weit, werter Leser, ist unsere Geschichte noch nicht. Denn diese beginnt 26 Stunden zuvor. Denn noch wärmt sich Sylvia am hellen Schein ihrer kürzlichen Beförderung, genießt die Sicherheit ihres selbstbestimmten Lebens, den Einfluss und die Macht, welche sie in ihrer Welt ausübt. Sie hatte hart dafür gearbeitet.
Willkommen auf der Bühne des Lebens, liebe Sylvia.
Vorhang auf.
Nach oben, bitte.
26 Stunden zuvor:
Sie gewöhnte sich einfach nicht an das flaue Gefühl in der Magengegend. Endlich der erlösende Gong. Die Zahl über der Kontrolltafel zeigte 42, dann öffnete sich die Aufzugtür. Vor ihr lag der schwach beleuchtete Flur der 42sten Etage des Westend Towers. Sylvia hatte es geschafft. Zielstrebig schritt sie den Flur entlang, der Tür am gegenüberliegenden Ende des Ganges entgegen. Um diese Uhrzeit waren die meisten Büros im Gebäude leer und nur notdürftig beleuchtet. Ihre hohen Absätze klickerten auf dem Marmorboden. Das Geräusch hallte im gesamten Flur und wirkte lauter als es in Wirklichkeit war. Wer hier arbeitete, hatte es geschafft. Ihre jahrelangen Mühen sollten sich nun auszahlen. Das war der letzte Termin für diesen Monat. Sie näherte sich der großen zweiflügeligen Tür. Keine Menschenseele war um diese Uhrzeit noch hier. Vor der weißen Tür blieb sie stehen und betrachtete das goldene Schild. …
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