… Über die Stadt hinaus konnte man von hier sogar bis zu den dahinter liegenden, bewaldeten Bergen sehen. Ein Panorama, bei welchem einem das Herz aufgehen musste. Draußen wurde es langsam dunkel. Bald schalteten sich unten in den Straßen die Laternen ein.
Sylvia trat zu ihrem Schreibtisch und blickte zur Seite. Sie hatte ihn so platzieren lassen, dass sie vom Arbeitsplatz aus immer die Eingangstür im Blick hatte. Es genügt ihr, die atemberaubend Aussicht in ihrem Rücken zu wissen. Was würde Dave wohl sagen, wenn er heute das erste Mal ihr Büro betrat. Er war damals etwa zur gleichen Zeit wie sie in diese Firma gewechselt. Sylvia hatte einmal fast so wie Elli im Vorzimmer begonnen. Doch das war ihr damals schon nicht genug. Als sich dann die Gelegenheit bot zu R&R zu wechseln, hatte sie zugegriffen. Gewinnen oder sterben, es gab nichts dazwischen! Ein so belangloses Leben hätte sie umgebracht. Wie weit konnte sie noch gehen? Inzwischen war so viel geschehen, dass sie sich selbst kaum wiedererkannt. Nur die Angst, ob sie dem Anspruch auch genügte, war seit damals nie verschwunden. Wie ein heimlicher, fieser Begleiter, der nie eine Ruhepause brauchte. Solange es nur dieser kleine Begleiter war, konnte sie damit leben. Doch die Angst blieb, dass eines Tages irgendwer den Vorhang aufriss und alle Welt sehen würde, dass ihre Arbeit hier nur aus heißer Luft bestand. Soweit würde es nicht kommen. Nicht heute Abend und auch nicht, solange sie die Kontrolle behielt.
Schnell wandte Sylvia der Glasfront den Rücken zu und ging vorsichtig zu ihrem Stuhl. Tatsächlich hatte sie in den drei Monaten, welche sie inzwischen hier arbeitete, noch nicht einmal durch das Glas direkt hinunter auf die Straße gesehen. Ihr genügte das flaue Gefühl vollkommen, welches allein durch das Wissen entstand, dass der Abgrund direkt hier war.
Sie verstaute das Bild auf ihrem Schreibtisch in einem Schubkasten und holte stattdessen eine Broschüre und ein Buch hervor, welches sie wie beiläufig auf dem Nachbartisch platzierte. Jeder Gast war anders und Sylvia legte Wert darauf, dass jeder seine ganz individuelle Kulisse bekam. Sie wollte die Situation kontrollieren und diese kleinen Requisiten halfen ihr dabei. Die Requisiten sagen das, was zwischen den Zeilen unausgesprochen blieb. So würde auch heute Abend ihre „kleine Segelflugkunde“ und die Broschüre für einen Flugschein ihren Zweck erfüllen.
…
Dann war es so weit.
„Hallo, Herr Anderson. …
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