… Die Spitze ihres Zeigefingers strich behutsam über die obere abgeschrägte Kante des fleckenlos glänzenden Schildes. „R&R International Art, Lokaldirektion Sylvia Steiner“
Sie war endlich angekommen. In ihrem Leben, zumindest fürs Erste. Sie atmete tief durch, griff nach der glänzenden Klinke und trat ein.
Der Vorraum war hell und modern eingerichtet. Wie immer saß Elli hinter dem Empfangstresen. „Guten Abend, Frau Steiner. Sie denken an den Termin 20:15 Uhr mit Herrn Anderson? Und heute Nachmittag gab es einen Anruf von der Geschäftsleitung für sie. Es klang dringend. Vielleicht sollten sie nach ihrem Termin noch zurückrufen.“
Sylvia nickte. Es klang immer dringend. Doch zunächst musste sie sich auf ihren Termin mit Dave konzentrieren. Das war ihr erstes direktes Aufeinandertreffen nach der Sache vor drei Monaten. Natürlich war ihr damals schon klar gewesen, dass dieses Treffen unvermeidbar war, doch nun stand es direkt bevor. Was sein musste, musste sein. Als Sylvia sich damals auf diesen Weg begeben hatte, war ihr bewusst gewesen, dass Opfer zu bringen waren. Trotzdem hatte sie sich dafür entschieden. Was wäre die Alternative gewesen? Sie sah ihre Vorzimmerdame aus den Augenwinkeln an und schüttelte innerlich den Kopf. Hier sah sie diese Alternative direkt vor sich und das hätte ihr über die Jahre den Verstand geraubt. „Danke Elli.“
Jetzt musste sie sich auf Dave konzentrieren. Es gab noch einiges vorzubereiten.
„Benötigen Sie noch etwas, Frau Steiner?“ Der Tonfall ließ die Frage als Bitte erscheinen. „Ich habe seit über einer Stunde Feierabend.“
„Tut mir leid, Elli. Aber solange Herr Anderson noch hier ist, brauche ich sie. Von nichts kommt halt auch nichts.“ Nie im Leben würde sich Sylvia eingestehen, dass sie es nicht ertragen hätte, beim ersten Treffen mit Dave auch noch ganz allein auf dieser Etage zu sein.
Elli nickte. „Alles klar, Frau Steiner. Sie werden ungestört sein.“
Sylvia trat in ihr Büro und zog die Tür hinter sich zu. Stille. Das Licht tauchte das stilvoll eingerichtete Arbeitszimmer in weiches Licht. Sie atmete tief durch. Kaum etwas hier erinnerte noch an ihren Vorgänger. Alles war neu, anders, besser.
Sylvia hätte sich selbst ohrfeigen können. Warum war sie nicht begeisterter? Eigentlich hätte sie schreien müssen vor Glück. Das war die 42ste Etage des Westend Towers. Das war eines der geilsten Büros der Welt, verdammt noch mal. In der Ecke des Gebäudes gelegen, eröffnete die vom Fußboden bis zur Decke reichende Glasfront über zwei Raumseiten einen atemberaubenden Ausblick über die Skyline. …
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