… Schließlich gab sie ihr eine sanfte Ohrfeige. „Allez, allez!“ Als Sylvias Kopf leicht zur Seite ruckte nickte sie zufrieden. Sie riss Sylvias Umhang entzwei und band das Tuch um ihre geschundenen Füße. „Komm“, sagte sie zu der anderen Frau. Gemeinsam wuchteten sie ihren zierlichen Körper hoch. Einer unter dem rechte, der andere unter dem linken Arm zogen sie Sylvias kraftlosen Körper zurück zum Lager.
…
Sylvia spürte das Wasser und hörte die Stimmen, doch sie bekam nicht wirklich mit, was geschah. Es waren Buchstücke.
Einmal hing ihr Kopf nach unten und sie konnte den dunklen Boden sehen. Ein andermal glitt sie unsanft zu Boden.
Auch die beiden Frauen hatten ihr Vorhaben unterschätzt. Trotz der zierlichen Statur wurde Sylvias Körper auf die Dauer schwer und unhandlich. Aber immerhin hatten sie sie gefunden. Mira freute sich über diesen Erfolg. Jetzt mussten sie es nur noch zurückschaffen. Immer wieder sah sie Sylvia ins Gesicht. Kontrollierte ihren Atem. Einmal hatte sie sogar das Gefühl, dass Sylvias Augen sie erschrocken fiebernd anstarrten. „ça ira mieux bientôt. Tu es fort!“
Der Transport schmerzte. Sylvia ließ es geschehen. Egal, was die jetzt mit ihr machten. Alles war besser als dort draußen zu verenden. Immer wieder lag sie auf dem Boden. Irgendwann sah sie im Mondlicht ein Gesicht. Mira! Diesen Anblick sollte sie ihr Leben lang nicht mehr vergessen. Der Versuch eines Wortes schmerzte so, dass sie stumm blieb. Mira sagte etwas. Sie verstand es nicht genau. Aber bientôt hatte nichts mit Tod zu tun. Es war ein Trost. Die letzten Worte kannte sie. Du bist stark! Sylvia sog die kalte Nachtluft ein und nickte in Gedanken.
...
Heißeres Bellen der Wachhunde begrüße sie bereits lange bevor sie das Tor erreichten. „Wir brauchen eine Trage.“
Sylvia merkte, wie sie auf ein Tragegestell gehievt wurde. Jetzt ging der Transport wesentlich schmerzfreier und schneller. Man trug sie zurück zur Baracke, durch den Saal mit den Nischen. Die Blicke aller Frauen richteten sich auf sie. Sylvia vermutete, dass ihr Zustand grauenvoll war und sie entsprechend fürchterlich aussah. Die Blicke sagten mehr, als tausend Worte.
Einer der Wachleute schob den schweren, großen Vorhang zur Seite, sodass sie passieren konnten. Der Vorhang hatte weit mehr Gewicht, als man ihm von weitem zutraute. Fast so steif wie zähes Leder. Er teilte den Raum in zwei Hälften.
Doch als Sylvia auf die andere Seite getragen wurde, verschlug es ihr den Atem. …
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