… Hoffentlich. Das letzte Chance für meine Ehre ist. Sonst ich muss Dienst bei Gläubiger? Oder Gefängnis. Das wirklich nicht gut sein. Vraiment!“
Zum ersten Mal war es Sylvia, als würde plötzlich ein Lichtstrahl in das Dunkel fallen. Auch wenn ihr das, was in diesem Licht zu sehen war, ganz und gar nicht gefiel. Plötzlich verstand sie, was sie da unterschrieben hatte. Doch der Gedanke an … Nein, sie wollte nicht an irgendwen verkauft werden. Nahm dieser Horror denn kein Ende?
Mira beobachtete ihnen inneren Kampf. „Du nicht möchten in Gefängnis, ich weiß es! Certainement pas.“ –
Doch Sylvia ignorierte Miras letzten Bemerkungen. Dafür hatte sie zu viel gehört und hing jetzt in den eigenen Gedanken fest. Die Zahl auf ihrer Schiefertafel war dreimal so hoch wie auf Miras. Noch dazu konnte es sich diese Fremde selbst zuschreiben, dass sie hier saß. Wer machte schon Schulden? Das war Dummheit. Die hatte es verdient! Doch was konnte man ihr vorwerfen? Wütend ballte Sie ihre Hände zu Fäusten. Wer weiß, für wie lange man sie hier versklaven wollte. Genau! Jetzt war es endlich raus. Denn nichts anderes war das hier, oder? Hatte Mira denn keine Bedenken, dass sich niemand fand, der ihre Summe, ihre Schuld für sie bezahlte? Was würde wohl in diesem Fall geschehen? Kam sie dann zu ihrem Gläubiger? Als Leibeigene, bis die Schuld beglichen war? Das geschah ihr recht. Man sollte schon für seine Taten geradestehen. Sylvia konnte es noch immer nicht so recht fassen, in welchem Schlamassel sie hier steckte. Sie sollte nicht hier sein. Ganz und gar nicht.
Irgendwann war Mira aufgestanden und hatte ihre Nische verlassen. Verblüfft blickte Sylvia ihr nach. Konnte man hier einfach so herumspazieren? Mit plötzlichem Interesse stand sie selbst auf und sah ihr nach. Niemand schien von Mira Notiz zu nehmen. Sylvia sah sich um. Auf einer schmalen, kaum zwei Zentimeter breiten Kante an der Unterseite Ihrer Schiefertafel lag noch immer das Stückchen Kreide, mit welchem heute Vormittag die Schriftzeichen geschrieben worden. Ihre Zeichen. Frustriert blickte sie auf ihren ziemlich angeschwollenen Oberarm. Am liebsten hätte sie die Tafel von der Wand gerissen. Sie sah erneut zu Miras Nische hinüber. In ihrem Inneren brodelte eine Wut, vor der sie selbst erschrak, für die sie kaum eine Erklärung fand. Sie hasste diese ganze Welt hier. Sie hasste diese penetrante Fremde mit ihrem besserwisserischen Gebrabbel. Und dann kam ihr der Gedanke, der für sie verhängnisvolle Folgen haben sollte. …
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