… Sunus Blick verschleierte sich; er durfte sich seinen Verdacht nicht anmerken lassen und musste versuchen, soviel wie möglich über Tuja herauszufinden. Konnte es wirklich sein, dass die zwar große aber sehr zierliche Frau die Dienerin umgebracht hatte? Nun, dies erschien ihm noch im Rahmen des Möglichen. Von hinten mit einem Dolch zuzustechen war auch für eine Frau kein Problem. Aber der Angriff auf Tunip. Na ja, Tunip war nicht sehr groß und auch nicht kräftig. Wer ihn eine Weile beobachtete konnte sicher einschätzen, dass er kein wirklicher Gegner war, aber Sunu hatte ja schließlich mit dem Angreifer gerungen und für eine Frau wäre er doch sehr kräftig und sehnig gewesen. Seine Überlegung endete in der Feststellung, dass ja auch die Schwester Gazas, falls sie hinter den Anschlägen steckte, jemand dafür bezahlt haben und sich nicht der Gefahr der Entdeckung ausgesetzt haben würde. Als er das Wort nun wieder an die Dame Tuja richtete, war sein Blick mit höflichem Interesse auf sie gerichtet; nichts verriet sein Misstrauen. „Vielleicht solltest du deinen Bruder nach dem Attentat fragen? Eventuell weiß er mehr darüber als ich.“ Er ließ seine Stimme gleichmütig klingen, beobachtete Tujas Reaktion jedoch scharf. Entweder sie verstand die Anspielung wirklich nicht, oder sie war eine sehr gute Schauspielerin. Unschuldig lächelnd antwortete sie: „Gaza hab ich schon gefragt aber er sagte, dass er nichts darüber wisse.“ Sunu blickte sich übertrieben suchend um und fragte dann: „Dame Tuja wie kommt es, dass eine so hochgestellte Persönlichkeit wie du ohne Begleitung und Schutz unterwegs sein kann? Solltest du dich nicht im Harim von Thutmosis aufhalten?“ Tuja lächelte spitzbübisch und flüsterte ihm verschwörerisch zu: „Ich bin meinen Häschern entflohen.“ Sie hatte sich ihm zugeneigt und sah ihn fröhlich lächelnd an. Die weißen Zähne blitzten zwischen dunkelroten Lippen hervor. Sunu hatte wieder Mühe, sich ihrem Charme zu entziehen. Sie lehnte sich auf der Bank zurück und er konnte wieder ruhig durchatmen, da die Distanz zwischen ihnen wieder stimmte. „Nein, nein!“ lachte sie, „ich bin einfach so früh aufgestanden, dass mich niemand groß beachtet hat. Wenn du dich im Palast nicht kräftig herausputzt, kannst du glatt als Dienerin durchgehen, oder du lässt ein paar Dheben Bestechungsgeld springen und niemand hält dich auf. Außerdem bin ich noch nicht Thuts Gemahlin. Er hat mich nur in den Harim aufgenommen um mich kennen zu lernen. …

◄ zurück blättern Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
761 Leser seit 1. Jan. 2025 für diesen Abschnitt
Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!