… Diener eilten mit Alabaster-Amphoren voller Dattelwein und Bier zwischen den Tischen umher und schenkten leere Becher sofort wieder nach. Sunu nahm auf einem der bequemen Kissen Platz und sah am Tisch auch Geb sitzen. Er stellte überrascht fest, dass die beiden Nubier heute nicht ihren Platz hinter der Königin eingenommen hatten. Hui bemerkte seinen fragenden Blick und meinte grinsend: „Schau dich um, Leutnant, an jeder Saaltüre und an den Säulen zum Garten stehen Wachen und wenn du genau hinsiehst haben sich genügend der befehlshabenden höheren Soldaten unters Volk gemischt. Auch am Tisch der Königin sitzen zwei Hauptmänner der Palastgarde.“ Sunu überredete seinen immer lauter knurrenden Magen noch einen Augenblick zu warten und blickte noch einmal hoch zum Tisch der Herrscherin beider Länder. Die beiden ihm unbekannten Männer waren also hohe Beamte der Palastgarde. Plötzlich fiel Sunu eine Frau auf, deren Schönheit ihn sofort in ihren Bann zog. Sie saß zur linken Seite Thuts. Sunu musste sich zusammenreißen, um nicht mit dem Finger auf sie zu zeigen, während er Hui stupfte und wie ein dummer Junge stammelnd fragte: „W-w-wer ist das?“ Das übliche breite Grinsen überzog Huis Gesicht, während auch Geb sich ihnen zuwandte und lauschte. „Das ist die Dame Tuja, Gazas Schwester und womöglich zukünftige Gemahlin des Thut.“ „Sie ist schön, nicht?“ Fragte Geb den Leutnant. Doch dieser antwortete nicht. Er starrte wie hypnotisiert auf die Dame Tuja. Dies war also die Frau, die er für die Königin ausspionieren sollte. Für eine Kuschitin war ihre Hautfarbe relativ hell. Das Haar war schwarz und wild gelockt, aber nicht kraus. Es ließ sich kaum von dem goldenen Diadem mit den Rubinen bändigen, welches den schmalen Kopf umspannte. Die hohen Wangenknochen und das kleine Kinn gaben dem zierlichen Gesicht einen edlen Ausdruck. Die Lippen waren voll, aber nicht wulstig. Das faszinierendste an der Frau waren jedoch die Augen. Sie waren hell, von einem warmen Goldton, nicht so Löwengelb wie die ihres Bruders, und von dunklen Brauen überspannt, die an den Schläfen nach oben gezogen waren.. Die Figur konnte Sunu nicht richtig einschätzen, da sie in ein gefälteltes goldenes Gewand gehüllt und auf eines der niederen Kissen hingegossen war; aber dass sie sehr hochgewachsen und schlank war, konnte er trotzdem erahnen. Sunus Gedanken wurden unterbrochen, als ihm der verführerische Duft von Gebratenem in die Nase stieg. …

◄ zurück blättern Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
761 Leser seit 1. Jan. 2025 für diesen Abschnitt
Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!