… Wenn Hatschepsut starb, würde unweigerlich Thutmosis den von ihm heißersehnten Platz als Pharao des Landes einnehmen und mit ihm würde die Dame Tuja zur höchsten Frau des Landes aufsteigen, wenn sie zur königlichen Gemahlin wurde. Somit würde natürlich auch die Macht Gazas ins Unermessliche steigen, als Schwager und Günstling des neuen Pharao. Fragen über Fragen strichen durch Sunus Kopf: Wenn Gaza hinter dem Attentat steckte, wer war der Mann, mit dem er sich im Garten getroffen hatte? Der gedungene Mörder? Thutmosis war es nicht. Der hatte den Tisch der Königin die ganze Zeit nicht verlassen. Wußte der künftige Pharao überhaupt von den Plänen Gazas, wenn er wirklich der Bösewicht war? Sunu griff nach seinem leeren Weinbecher und hielt ihm einem vorübereilenden Diener hin. Prompt wurde er aufgefüllt und der Leutnant nahm einen tiefen Schluck. Er würde noch viel nachzuforschen und zu überdenken haben. Er musste hinter die Personen und Zusammenhänge der Ränke gegen Hatschepsut kommen, bevor ein erneuter Anschlag alles zunichte machen würde. Sunus bittere Gedanken wurden unterbrochen, als die Geräuschkulisse im Raum plötzlich um einiges leiser wurde und ein ins Blut gehender Trommel-Rhythmus einsetzte. Er hob den Blick, um festzustellen, was die seltsame Ruhe zu bedeuten hätte. Die Mitte des Saals war geräumt worden und auf einer kreisrunden Fläche hatten sich einige sehr dunkelhäutige Männer niedergelassen, die auf Buschtrommeln hämmerten. Der Kreis der umstehenden Menschen öffnete sich kurz und eine schmale hochgewachsene Gestalt durchquerte den entstandenen Gang um in die Mitte der freien Fläche zu treten. Wie in Trance erhob sich Sunu um, dank seiner Größe, eine bessere Sicht über die Köpfe der Anwesenden hinweg zu haben. Er konnte die Augen nicht mehr abwenden, sie hingen wie gebannt an der schlanken goldgewandeten Gestalt. Das Diadem hatte sie abgelegt und die schwarzen Locken fielen ihr bis zur Taille hinab. Sie drehte sich einmal langsam im Kreis und ließ dabei das goldgefältelte Gewand sanft zu Boden gleiten. Mit dem Fuß wischte sie es zur Seite und begann zu tanzen. Die Frau war noch viel schöner, als Sunu gedacht hatte. Sie trug jetzt nur noch einen fragilen Schmuckkragen aus weißen Perlen, der kaum die Brust verhüllte und einen äußerst kurzen goldenen Schurz. An den zarten Knöchelgelenken trug sie goldene Reife, mit winzigen klingenden Glöckchen versehen, die bei jeder Bewegung ein feines Geläut von sich gaben. …

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