… Ihre Haare waren zu ein paar kleinen Zöpfchen geflochten, der Rest der glänzenden schwarzen Pracht hing noch offen über die Schultern. Die junge Dienerin stellte sich hinter ihre Herrin und fuhr fort, zu flechten und feine Perlenschnüre an den Flechten zu befestigen. Sunu atmete tief durch und verhinderte damit, dass ihm wieder einmal die Röte in die Wangen stieg. Hatschepsut blieb das nicht verborgen und ein leichtes Lächeln huschte über ihr schönes Gesicht. „Ich glaube langsam, dass ich für dich ein ständiger Quell der Belustigung bin.“ Murrte Sunu ärgerlich. „Aber Leutnant! Habe ich dir nicht meine Gunst bewiesen, indem ich dich zum Auge und Ohr des Pharao ernannt habe? Außerdem habe ich in meiner Position nicht viel zu lachen, also gönn mir das bisschen Spaß.“ Sunu musste nun selber grinsen, wurde aber gleich wieder ernst. „Herrin, ich habe einige Informationen gesammelt, die ich dir dringend mitteilen muß. Ich kann noch nichts beweisen, aber.....“ In diesem Moment wurde an die Tür des Gemachs geklopft und Hatschepsut nickte über den Spiegel der Dienerin zu, zu öffnen. Sunu wandte sich in gespannter Haltung ebenfalls um, drehte sich aber sofort wieder ruhig dem Rücken der Königin zu, als er in dem Besucher Senmut erkannte. Auch Hatschepsut hatte im Spiegel ihren Architekten erkannt und ein zärtliches Lächeln umspielte die vollen Lippen als sie sagte: „Mein lieber Senmut, du kommst gerade zur rechten Zeit. Leutnant Sunu will mich über wichtige Erkenntnisse seinerseits unterrichten. Ich möchte, dass du alles mit anhörst.“ Senmut trat neben Sunu und legte sanft die Hand auf die Schulter Hatschepsuts. Sie schmiegte kurz ihre Wange hinein. Die ganze Zärtlichkeit hatte nur Sekundenbruchteile gedauert und war von niemand außer Sunu bemerkt worden. Sunu wusste, dass die Priesterschaft und Thutmosis die Beziehung zwischen der Königin und ihrem vom Volk stammenden Bauherren sofort zum Anlaß für Anfeindungen genommen hätten, könnte man ihr diese nachweisen. Sunu tat also, als ob er nichts gesehen hätte und begann mit seinem Rapport, während Hatschepsut die Dienerin aus dem Raum winkte und gespannt zuhörte. „Herrin, ich habe neben der Leiche deiner Dienerin eine Schmuckspange gefunden. Außer meinem Diener Tunip und jetzt dir ist dies niemand bekannt. Ich habe es geheim gehalten, um den Besitzer des Schmuckstücks nicht zu warnen. Hätte der Mörder etwas über Form und Machart des außergewöhnlichen Stückes erfahren, hätte er sicherlich jedes ähnliche Geschmeide sofort aus seinem Besitz verschwinden lassen. …

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