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Hatschepsut hatte den Empfang abgebrochen und hatte sich mit ihren engsten Beratern in ihre Privatgemächer zurückgezogen. Sie saß nun wieder auf dem Stuhl vor dem großen blitzenden Spiegel und zupfte ungeduldig die steife Krone von ihrem Haar. Ihre junge Dienerin eilte sofort herbei, um ihr zur Hand zu gehen und der Bewahrer der königlichen Insignien huschte wie ein Schatten herbei und räumte das Schmuckstück weg. Abwartend umstanden Senmut, Sunu, Geb und Hui ihre Herrin. Auch der Hohepriester Hapuseneb war anwesend. Hatschepsut wusste zwar, dass die Priesterschaft lieber heute als morgen ihren Halbbruder auf dem Thron sehen würde; sie wusste aber auch, dass die Gottesmänner niemals mit brutaler Gewalt versuchen würden sie zu beseitigen. Ihnen lag es mehr, mit Intrigen und Ränke zu arbeiten, oder – im höchsten Notfall – auch mit Gift. Sie würden einfach weiterhin auf eine Heirat Hatschepsuts mit ihrem Bruder drängen um damit ihre politische Macht zu schmälern und auf den jungen Pharao Einfluß nehmen zu können. Mit Sicherheit vergaß die Herrin beider Länder nicht, dass der Vorteil dieser Verbindung auf der Hand läge. Zumindest vorübergehend würde sie nicht mehr mit irgendwelchen Anschlägen rechnen müssen, denn: die begehrte Position der göttlichen Gemahlin würde von ihr besetzt sein und somit für Gazas Schwester unerreichbar. Ihr junger Bruder würde zufriedengestellt sein, wenigstens für eine Weile. Natürlich wären vor allem die Priester befriedigt, denn ihr Anliegen war dann nur noch eine Frage der Zeit. Anfangs würde Thut sich bestimmt mit seiner neuen Macht, seinen Frauen und seinen Festivitäten zufrieden geben und seiner Schwester weiterhin das Regieren überlassen. Allerdings würde er mit hinterlistiger Unterstützung der Priesterschaft sehr bald darauf kommen, dass zur Ergreifung der Macht Kemets auch die Politik gehörte. …
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