… Der weiterführende Gang schien sich noch fast im Rohbau zu befinden. Mauerstücke lagen herum und es gab noch keine Zeichnungen. Die Fackeln flackerten, da die Luft hier unten nicht mehr die beste war. Sie durchschritten einen Durchbruch im Gestein, der in einen weiteren roh ausbehauenen Raum führte. Sunu blickte sich nach Hatschepsut um, die sich an einem Balken im Durchgang abstützte, um über den unebenen Boden zu schreiten und stellte dabei fest, dass Geb und Hui zurückgeblieben waren und ebenfalls fasziniert auf das Skandalgemälde starrten, während Senmut heimlich in sich hineinlächelnd hinter ihnen stand. Sunus Mund verzog sich zu einem Grinsen, welches jedoch schnell wieder erstarb, als er ein dumpfes Grollen über sich wahrnahm. Er kannte dieses Geräusch: Als er einmal mit seinen Medjay die Goldbergwerke in einem Wadi der Wüste besuchte, hatte es in den Stollen, welche sie im Auftrag des Statthalters kontrolliert hatten, einen kleineren Einsturz gegeben. Daher kannte der Leutnant das tiefe Grummeln. Instinktiv warf der Leutnant sich herum und riß die Königin mit sich ein paar Fuß weit in den Raum hinein. Mit einem überraschten Laut stürzte sie mit ihm zu Boden. Das Grollen verstärkte sich und Sunu kam über Hatschepsut zu liegen, als das Chaos über sie hereinbrach. Große und kleinere Felsbrocken lösten sich von der rohen Decke und stürzten um sie zu Boden. Die Luft war voller Staub und die beiden im Schmutz liegenden Menschen husteten und rangen nach Atem. Ein paar größere Geröllbrocken trafen Sunu am Rücken und er unterdrückte ein schmerzvolles Stöhnen. Sein Kopf lag Wange an Wange mit der Königin und er spürte ein leichtes ängstliches Zittern, das sie nicht verbergen konnte. Nach wenigen Augenblicken ließ das Rumpeln nach und der Staub begann sich langsam zu senken. Jetzt hörte Sunu auch die angstvollen, jedoch nur gedämpft zu ihm durchdringenden Rufe der beiden Leibwächter. Er hob langsam den Kopf und bemerkte, dass der höhlenartige Raum nicht in völliger Finsternis lag. Eine Fackel hatte den Einsturz überstanden und flackerte müde vor sich hin. Vorsichtig rappelte der Leutnant sich auf und reichte seiner staubbedeckten Königin die Hand. Sie sahen sich gegenseitig an, der überstandene Schrecken lag noch in ihren Augen. Sunu ließ seinen Blick forschend über Gesicht und Glieder seiner Herrin gleiten und stellte beruhigt fest, dass sie außer Schmutz und ein paar Schrammen nichts abbekommen hatte. …

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