… Schließlich sprach die Königin kurz mit Sunu und einigen Soldaten und gab Anweisung, den Gros des Hofstaates in eine andere Richtung zu führen. Sie wollte die unterirdischen geheimen Räume des Tempels besichtigen. Man munkelte dass die Königin plante, sich nicht in den üblichen Gräbern im Tal der Könige beisetzten zu lassen, sondern ihre letzte Ruhestätte unter ihrem prächtigen Tempel zu finden, der sie schon zu Lebzeiten zur Legende machte. Logischerweise wollte sie nur ihre vertrautesten Leute um sich haben, wenn sie diese Räumlichkeiten betrat. Sie ließ Soldaten, Diener, Gaza, Tuja, Hapuseneb und einen beleidigten Thut zwischen den Säulen zurück und begab sich, nur in Begleitung Gebs, Huis, Senmuts und Sunus zu einem kleinen in den großen Bau integrierten Hathortempel. Hinter Säulen in einer Mauer, die von Malereien der Göttin Hathor bedeckt war, öffnete die Königin eine kleine Tür. Sunu hatte die Hand an seinem Dolch, als sie sich einer Treppe zuwandten, welche in eine dämmrige dumpfbrütende Dunkelheit führte. Links und rechts befanden sich brennende Fackeln in Halterungen an den Wänden und tauchten den immer dunkler werdenden Treppenflur in schwankendes rötliches Licht. Hier unten waren nur wenige äußerst vertrauenswürdige und qualifizierte Kräfte am Werk. An den Stellen, wo gearbeitet wurde, herrschte relative Helligkeit. Man hatte große Lampen und Spiegel zu deren Verstärkung aufgestellt, um den Künstlern das Zeichnen zu ermöglichen. Viele von ihnen waren Priester, die natürlich des Schreibens und Zeichnens kundig waren und den Wänden der Räume mit Szenen aus dem Dasein der Königin in leuchtenden Farben Leben verliehen. Sunu hatte sich an die Spitze der Fünf Personen gesetzt. Hinter ihm folgte Hatschepsut und danach kamen Hui und Geb mit Senmut, welcher immer wieder aufgehalten wurde um Fragen zu beantworten oder Ratschläge zu erteilen. Die Königin wäre beinahe auf Sunus Rücken geprallt, als dieser ungläubig auf eine Szene an der Wand starrte und dabei immer zögernder vorankam. Das Bild zeigte Hatschepsut mit Senmut. Das Skandalöse daran aber war, dass der Architekt in der gleichen Größe abgebildet war, wie seine Herrin. Dies bedeutete, dass Hatschepsut ihm die gleiche göttliche Stellung zuerkannte, wie sich selbst. Sunu spürte den Atem der Königin im Nacken und beeilte sich weiterzugehen. Als er einen Blick über die Schulter warf, sah er in die amüsiert funkelnden Augen seiner Herrin. …

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