… Der Oberste Nekropolensöldner war das Oberhaupt des Militärwesens. Der höchste Beamte aber, der unumstrittene Herrscher über die Totenstadt mit ihren Erd– und Bauarbeitern, ihren Steinmetzen, Malern, Künstlern, Balsamierern und Mumifizierern war der Wesir des Westens. Als sich nun die königliche Prozession den hohen Toren von „Deir el Medinah“ näherte, schwangen diese zur Seite und der Wesir des Westens wurde, in einer Sänfte die fast so prunkvoll war wie die Thuts, vor die Mauern getragen, begleitet von einer Division Soldaten. Wenige Fuß vor Hatschepsuts Wagen, der inzwischen gestoppt hatte, was einen großen Stau hinter ihr verursachte, wurde die Sänfte zu Boden gelassen und der Wesir entstieg ihr. Einer der Sänftenträger fegte, zum Amüsement sämtlicher Anwesender, mit einem Binsenbesen den sandigen Boden und legte einen kleinen Teppich aus, bevor sich der reich gewandete rundliche Herr zu Füßen der Königin auf die Erde warf. Die Herrin beider Länder schlenkerte ungeduldig mit den Zügeln der Pferde, während sie dem hohen Beamten das Wort erteilte. Schwitzend erhob sich der korpulente Mann und ordnete seinen silbernen Schurz mit der goldenen Borte. Seine weiße Kappe mit dem goldenen Reif hatte einen sandigen Rand bekommen, aber das bemerkte er nicht. Aufgeregt begann er zu sprechen, während er nervös mit seinem aufwändigen Brustschmuck spielte: „Hohe Herrin Hatschepsut, möge Amun dir immer wohlgesonnen sein und möge die Göttin Isis dich in ihre schützende Umarmung nehmen. Ich habe in meinem bescheidenen Haus ein Mahl bereiten lassen und kühle Getränke bereitgestellt. Mögest du und deine hohen Herren und Damen bei mir einkehren. Für die Bediensteten und Sklaven sind in den Straßen der Stadt Tische und Bänke mit Speisen und Getränken aufgestellt. Wenn ihr mir bitten folgen würdet?!“ Sunu sah es Hatschepsut an, dass sie äußerst ungehalten über diese Verzögerung war, doch sie kaschierte ihren Ärger so gut es ging. Sie wollte den Wesir nicht brüskieren und so folgte ihm der ganze lange Zug durch die Tore der Stadt. In den Straßen verliefen sich nach und nach sämtliche Untergebenen bis auf die Sänftenträger und ließen sich an den gedeckten Tischen zwischen den weißgetünchten Häusern nieder. Soldaten und Stadteinwohner gesellten sich dazu und man begann den vom Wüstenwind und der Hitze arg gewachsenen Durst und den Hunger zu stillen. Der Wagen der Königin gefolgt vom Hofstaat begab sich beinahe bis ans andere Ende der Stadt, vorbei an Straßen und Gässchen mit ein- bis zweistöckigen Häusern. …

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