… Links und rechts der Tür beleuchteten Fackeln, in Halterungen an der Mauer befestigt, die nächste Umgebung. Als die zwei Männer sich näherten, streckte der Soldat seinen Speer vor und rief: „Halt, wer da?“ Sunu trat auf ihn zu und rückte sein Befehlshaberarmband ins Licht. Der Soldat salutierte und fragte: „Was willst du so spät hier, im Haus der Toten.“ Eine gewisse Neugierde zeigte sich in seinem Blick, aber auch Vorsicht. Sunu hatte sich etwas einfallen lassen und ließ sich von Tunip eine kleine Schatulle überreichen. „Heute wurde hier eine adlige Dame eingeliefert. Ich habe hier ihren Schmuck. Er ist sehr wertvoll und man hat mir angetragen, ihn sicher hier abzugeben.“ Der Soldat wollte nach dem Kästchen greifen, doch Sunu zog es zurück. „Ich will es ins Haus bringen und einem Priester übergeben.“ Sagte er fest. Resigniert zuckte der Soldat die Schultern: „Gut, wenn du es so willst; ich bin nicht scharf darauf, diese Räume nachts zu betreten. Allerdings sind um diese Zeit kaum noch Priester unterwegs. Du wirst nach einem suchen müssen. Willst du nicht lieber bis morgen warten?“ Sunu schüttelte den Kopf. „Ich bin das Auge und Ohr der göttlichen Gemahlin und habe einen Haufen Pflichten zu erfüllen. Es geht nicht an, dass ich den Weg umsonst gemacht habe. Denkst du ich würde mich nächtens hier herumtreiben, wenn ich anders Zeit gefunden hätte?“ Das schien dem Wächter einzuleuchten. Er nahm seinen Speer zur Seite und gab den Weg frei. Sunu machte Tunip ein Zeichen, auf ihn zu warten. Vorsichtig öffnete der Befehlshaber die Tür und trat zögernd hindurch. Vor ihm lag ein schwach mit Fackeln beleuchteter Vorhof. Er überquerte diesen und schlüpfte durch einen schmalen Einlaß ins Innere des großen Zeltes. Hier standen keine Wachen. Anscheinend wurde nur die äußere Mauer bewacht. Sunu sah sich um. Er befand sich auf einem breiten durch hölzerne Paravents abgetrennten Gang, ebenfalls nur spärlich beleuchtet. Sich immer wieder seiner Sicherheit vergewissernd schlich er vorwärts, mit einer Hand das kleine Kästchen fest umklammernd, in der anderen hielt er das inzwischen gezogene Schwert. Als er sich einer Abzeigung näherte, erkannte er gerade noch rechtzeitig einen Schatten. Sunu huschte drei Schritte zurück und verbarg sich in einem Zwischenraum zwischen den Abtrennungen. Ein älterer weißgewandeter Priester mit irgendwelchen Instrumenten in den Händen, deren näheren Zweck sich der Befehlshaber gar nicht vorstellen mochte, ging an ihm vorüber, ohne ihn im Schatten seines Versteckes zu bemerken. …

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