… „Es ist gut, Tunip, und du hast recht, ich werde deine Hilfe brauchen.“ Immer noch im Festgewand ging Sunu aus dem Zimmer und hastete durch die Gänge, gefolgt von einem verwirrten Tunip. Wenn Hapuseneb und Thut Tuja getötet hatten, musste er es nachweisen. Sie durften nicht ungeschoren davon kommen. „Wo willst du hin, Herr?“ Rief der Schreiber atemlos dem Befehlshaber zu. „In die Räume der Dame Tuja. Ich muss sie noch einmal ansehen.“ Tunip langte nach Sunus Arm und hängte sich daran, um ihn zu bremsen. „Das ist nicht gut.“ Er bremste noch mehr. „Was nützt es dir, wenn du die Tote nochmal ansiehst. Es wird dir nur weh tun.“ Unwirsch schüttelte Sunu seinen Schreiber ab. „Es geht doch gar nicht um meine Gefühle.“ Kühl blickte er auf den jungen Mann herab und fuhr fort: „Von denen du ja sowieso gar nichts wissen kannst.“ Tunip senkte den Kopf. Natürlich ging es ihn nichts an, aber verborgen geblieben war es ihm natürlich nicht, dass zwischen der Dame Tuja und seinem Herrn etwas Besonderes vorging. Sunu beendete seinen angefangenen Satz: „Es geht darum dass ich glaube, dass die Dame Tuja doch vergiftet worden ist. Nur nicht mit Speise oder Trank sondern mit Rauch.“ Tunip riß überrascht die Augen auf. „Ja geht denn so etwas?“ Fragte er zweifelnd. Sunu eilte schweigend weiter. Tunip beschleunigte seine Schritte und hängte sich wieder an seinen Herrn, um ihn zu bremsen. „Und selbst wenn es so etwas gibt,“ keuchte er atemlos, „wirst du jetzt nichts nachweisen können. Zumindest nicht in den Gemächern der Dame.“ Sunu bremste abrupt seinen Lauf und wandte sich so heftig zu seinem Schreiber um, dass dieser unsanft auf ihn prallte. „Wieso nicht.“ Bellte er kurz. „Weil die Dame Tuja bereits ins Haus des Todes verbracht wurde.“ Antwortete Tunip fest. „Die Priester haben ihre Gesänge und Gebete schon lange beendet und sie ist fort.“ Ein eiskalter Schauder lief über den Rücken des Befehlshabers. Er schaute durch die schmalen Fenster des Palastes und erst jetzt fiel ihm auf, dass die Dämmerung bereits hereingebrochen war, die Re-Scheibe sich schon dem Horizont entgegen neigte. Ein halber Tag war bereits vergangen, seit man die Tote gefunden hatte. Er stellte sich die wunderschöne Frau auf der kalten Steinplatte der Einbalsamierer vor. Er musste sich zusammenreißen, damit es ihn nicht schüttelte. Langsamen Schrittes ging er wieder seinen Räumen zu, gefolgt von einem stillen Tunip. …

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