… „Wer war der Verbrecher?“ Erregt hatte sich Hatschepsut wieder erhoben. „Habt ihr ihn erwischt?“ Mit leichtem Stolz in der Stimme antwortete Hui: „Ja, Herrin Hatschepsut, ich hab mein Messer geworfen und ihn erledigt.“ Ein selbstbewusstes Grinsen überzog das dunkle Gesicht: „Mein Messer trifft immer.“ Ungeduldig ging die Herrin beider Länder vor ihrem Spiegel auf und ab. Vor Hui blieb sie schließlich stehen und schubste ihn herausfordernd: „Und, sagst du mir jetzt endlich, wer es war?!“ Hui senkte verlegen ob seines Versäumnisses den Kopf. „Ich wollte dich nicht verärgern, Herrin. Es war Mudja, der Diener der Dame Tuja.“ Hatschepsuts Augen weiteten sich vor Erstaunen und ihr Blick zuckte zu Sunu hinüber. „Also doch? Das hätte ich trotz deiner Warnung, Leutnant Sunu, nicht wirklich gedacht.“ „Triff keine vorschnelle Entscheidung.“ Bremste der Leutnant ihre Gedanken. „Der Diener war nicht gleich tot und wir konnten ihn, Amun sei Dank, noch nach seinem Auftraggeber fragen. Tatsächlich war es gar nicht die Dame Tuja. Laut Mudjas Aussage wusste sie von nichts. Gaza war es. Allerdings werden wir ihm nichts nachweisen können: der einzige Zeuge der Bestechung zum Mord ist tot und kann nicht mehr aussagen.“ Hatschepsut nahm ihre ruhelose Wanderung durch den Raum wieder auf. Einen fast amüsierten Blick warf sie Sunu noch zu: „Dir, Befehlshaber Sunu, kommt es ja sicher nicht ungelegen, dass die Dame Tuja unschuldig ist.....“ Amüsiert zog sie eine Augenbraue hoch, als sie Sunus starre Miene bemerkte. Der Leutnant war verärgert - wußte denn jeder im Palast über seine wohlgehüteten Geheimnisse Bescheid? Hatschepsut spann ihre eigenen Gedanken laut fort: „Ich muß Gaza loswerden bevor er wieder zuschlägt. Ich werde ihn des Landes verweisen und durch jemand anderen ersetzen. Ich weiß, dass er noch etliche Brüder hat, die sich um den Posten reißen werden. Ich bin Pharao von Kemet – noch – . Ich muß meine Entscheidungen nicht begründen. Mein Wille ist Gesetz.“ Hochaufgerichtet blieb sie kurz stehen und ließ ihren Blick herrisch blitzend über ihre Untergebenen wandern. Niemand widersprach ihr. Ihre Wanderung wieder aufnehmend fragte sie in Hui und Sunus Richtung: „Ihr sagt, dass die Wachsoldaten ihre Nachtpatrouillen nicht einhalten? Aber reicht denn die kurze Zeitspanne von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang für einen solchen Arbeitsaufwand aus, wie er betrieben wurde für den Anschlag in meinem Tempel? …

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