… Gerade rechtzeitig erreichte sie den Weg. Ihr „Schatten“ kam bereits suchend um sich blickend näher. Sich ihrer mangelnden Freiheit einmal mehr bewusst, entfernte sie sich vom Teich und ging zurück in Richtung des Palastes und des angrenzenden Harims. Trotz aller Widrigkeiten stahl sich ein seliges Lächeln um ihre Lippen, dass nicht mehr weichen wollte. Es wurde erst vertrieben, als sie ganz unabsichtlich ein Gespräch belauschte, dass leicht über ihr künftiges Schicksal entscheiden konnte: sie hatte soeben durch eine kleine Seitenpforte ihren privaten Garten betreten, um durch diesen ihre Harimsgemächer zu erreichen, als sie plötzlich innehielt. Leise Stimmen drangen an ihr Ohr und diese Stimmen kannte sie. Sie schaute sich nach ihrem Diener um, doch dieser war verschwunden. Der Harim war normalerweise von Eunuchen gut bewacht, so dass ihn die „normalen“ Diener nicht zu betreten brauchten. Vorsichtig ging Tuja ein paar Schritte zurück, bis zu der kleinen Tür. Sie öffnete diese einen winzigen Spalt und spähte hinaus. Tatsächlich erblickte sie zwei bekannte Gestalten, die sich überaus heimlich im Schatten der Mauer nur ein paar Fuß entfernt unterhielten. Tuja wollte schon die Pforte wieder schließen als ein Name fiel, der sie aufhorchen ließ. Ihr Bruder und Thutmosis II unterhielten sich über die Herrin Hatschepsut. Hin– und hergerissen zwischen Neugier und Angst vor Entdeckung zögerte Tuja die Türe wieder zu schließen. Und wenn ein neues Mordkomplott geschmiedet wurde? War es nicht ihre Pflicht, es herauszufinden und die Herrin beider Länder zu warnen, auch wenn es sich bei den vermeintlichen Verschwörern um ihren künftigen Gemahl und ihren Bruder handelte? Trotzdem Tuja beim Adel aufgewachsen war und ihr Hofintrigen nicht fremd waren, hatte sie selbst es immer mit der Ehrlichkeit gehalten. Lug– und Trug lagen ihr nicht. Entschlossen legte sie ihr Ohr an den Spalt zwischen Tür und Mauer. „Wenn ich das Land schon verlassen muß, werde ich das gewiß nicht mit leeren Händen tun.“ Hörte sie die gepreßte Stimme ihres Bruders. Thutmosis II antwortete abbittend: „Ich konnte deine Verbannung nicht verhindern. Hätte sie dir etwas nachweisen können, wäre es dir wesentlich schlimmer ergangen – immerhin hast du drei Anschläge.....“ „Pssst, nicht so laut; oder willst du, dass man uns doch noch auf die Schliche kommt?“ Wieder die Stimme Gazas. „Jedenfalls muß ich dich anscheinend aufklären. …

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