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…  Sein Dienst bei der Königin beschränkte sich auf ein Minimum da sie zur Zeit, außer der nicht aufschiebbaren Rechtsprechung im Audienzsaal, kaum Pflichten wahrnahm, welche seine Anwesenheit erforderlich machten. Das hieß nicht, dass er seine Aufgabe vernachlässigte. Er durchstreifte oft den Palast und hatte die Augen überall. Auch Hui, Geb und Tunip hielten für ihn die Ohren offen. Man durfte in der Aufmerksamkeit nie nachlassen; trotzdem blieben ihm jetzt mehr freie Stunden. Seit Gaza abgesetzt war und ein Anschlag seinerseits nutzlos sein würde, musste man ihn nicht mehr gar so streng im Auge behalten. So kam es, das Sunu an einem warmen Abend des fortgeschrittenen Monats Mechir in den Gärten spazieren ging. Er dehnte seinen Ausflug bis zu den Mauern aus, die das Palastgelände umgaben. Dort bestieg er einen Wachturm und blickte nachdenklich auf die Stadt der hundert Tore und ihre fruchtbare Umgebung hinab. Die untergehende Scheibe des Re tauchte die Türme und Obelisken von Theben in goldenes Licht und überall in und um die Stadt sproß das frisch gepflanzte Grün. Alles was nicht, wie die Gärten der begüterteren Bevölkerungsschicht, regelmäßig bewässert wurde, färbte sich während des Niedrigwassers nach dem Monat Mesore, wenn der heiße Kamsinwind darüber hinwegfegte, in tristes Wüstengelb. Jetzt aber, am Ende des Monats Mechir, war die ganze Landschaft ein blühendes Paradies. Die Menschen strömten durch die Gassen auf die Märkte oder saßen im Abendlicht auf den Dachterrassen ihrer Häuser. Selbst die Fellachen konnten, sofern sie nicht zum Bau irgendwelcher Tempel und Gräber eingezogen worden waren, sich ein wenig dem Müßiggang hingeben, solange die Saat am Aufgehen und die Erntezeit noch fern war. Sunu ließ die Augen weiter über die Stadt schweifen und schließlich zurück zum Palastgarten. Er kniff die Augen zusammen. Saß dort nicht an einem Teich... nein, er wandte den Blick zurück auf die Stadt. Wohl hatte er die schlanke Gestalt auch von weitem erkannt, doch was sollte es ihm nutzen, sich ihr zu nähern? Er musste sich solche Träume aus dem Kopf schlagen und seinen Pflichten im Palast nachgehen. Bald würde die, die immer noch zu oft durch seine Gedanken spukte, Thutmosis Frau werden und für ihn von „unantastbar“ zu „unerreichbar“ aufsteigen. Mit verschlossenem Gesicht blieb der Befehlshaber noch eine Weile auf dem Wachturm stehen. Der schöne Mechir-Abend war ihm verleidet. Später ging er durch den Park zurück in Richtung des Palastes. …
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