… Sunu, der neben Hauptmann Nakht die Truppen anführte hob die Hand und die Streitwagen hielten hinter seinem Wagen in einer Staubwolke an. Wortlos deutete er mit ausgestreckter Hand nach vorne. Ein undeutlicher rötlicher Schein spiegelte sich in der Ferne auf einer sich aus dem Sand erhebenden Felswand und im dunkler werdenden Himmel darüber. Neugierig spähte die Königin über Sunus Schulter und murmelte: „Das muß ihr Lagerfeuer sein. Sie haben die Felswand zum Schutz im Rücken.“ Dann sagte sie lauter und mit Triumph in der Stimme: „Wir haben sie.“ Freudig zustimmendes Gemurmel erhob sich unter den Männern und man merkte ihnen ihre Ungeduld an, die Männer anzugreifen und sich vor ihrer Herrscherin mit Ehre zu bedecken. Sunu überreichte mit einer tiefen Verbeugung die Zügel der Königin und stieg vom Wagen, um den Eifer der Männer in die richtigen Bahnen zu lenken. Auch Nakht übergab die Zügel einem Soldaten und trat hinzu. Abwartend blickte Sunu den Älteren an, doch dieser überließ mit einer Geste ihm das Wort. Sunu hob den Finger in den Wind und sog die Luft durch die Nase, wie ein Raubtier, dass Witterung von seiner Beute aufnimmt. Dann begann er zu sprechen: „Männer! Ich weiß, dass ihr vor Ungeduld brennt, den Diebstahl an den Schätzen unserer Königin zu rächen; doch muß der Überfall gut durchdacht sein. Der Wind steht gegen uns – das ist gut, da sich der von uns aufgewirbelte Sand schneller wieder legt und von den Angegriffenen nicht so früh wahrgenommen werden kann. Trotzdem möchte ich einer Flucht dieser Diebe vorbeugen indem ich Bogenschützen auf dem Felsmassiv dahinter postiere. So werden wir sie in die Zange nehmen, falls sie über irgendwelche Wege in den Fels zu flüchten versuchen.“ Zustimmendes Gemurmel beantwortete seine Worte; dann meldete sich eine helle energische Stimme zu Wort: „Wenn du noch weiter viele Worte machst, Leutnant, hat Re mit seiner Sonnenbarke die Reise durch die Nacht angetreten und wir können die Räuber nicht mehr sehen!“ Ein belustigter Unterton in diesem Satz war unüberhörbar. Sunus Gesicht überzog sich mit leichter Röte, während er sich seiner Königin zuwandte. Er kniete vor dem Streitwagen mit der Königin nieder und berührte in ergebener Geste mit den ausgestreckten Händen den sandigen Wüstenboden; seine Worte straften die unterwürfige Haltung jedoch Lügen: „Hoheit, was sein muß muß sein.“ Sich erhebend teilte er danach die Leute in zwei Gruppen auf; …

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