… “ Noch ehe Sunu den Sinn des eben Geäußerten erfasste bemerkte er, dass sich Nakhts Grinsen in Schadenfreude wieder einstellte. Des Leutnants Züge wurde hart. Langsam begriff er, was die Worte des Hauptmannes bedeuteten: das Ende seiner Selbstständigkeit, einen Haufen Verpflichtungen, Verantwortung und womöglich – bei Nichtzufriedenstellung des Pharao – den Verlust seines Kopfes. Mochten andere es als Ehre ansehen so ein Amt zu bekleiden, nicht jedoch Sunu, der seine Freiheit liebte und sich ungern unterordnete. Er wollte schon in ablehnender Weise etwas entgegnen, da wurde Nakhts Gesicht ernst und kalt. Abrupt hob der Hauptmann die Hand, um ihn Schweigen zu heißen. Seine Stimme klang leise aber gefährlich: „Sunu, du bist ein guter Mann und ich lasse dir viel durchgehen, aber wage es nicht, dich einem Befehl deiner Königin zu widersetzen! Du darfst dich jetzt entfernen – ich werde dich benachrichtigen, wie es weitergeht.“ Das unwiderrufliche Ende des Gesprächs betonend beugte Nakht sich über eine Schriftrolle auf seinem Tisch. Sunu erhob sich und blieb kurz unschlüssig vor dem Schreibtisch stehen. Dann überlegte er es sich, nickte Nakht zu und verließ weiter schweigend dessen Haus. Auf dem Weg zu seiner Wohnstatt überdachte er wieder und wieder die Worte des Hauptmanns. Ihm war nicht einmal aufgefallen, dass die Königin ihn überhaupt bemerkt hätte – wie sollte sie also ausgerechnet seinen Schutz wünschen? Seine Gedanken liefen im Kreis und schließlich gab er es auf darüber nachzugrübeln. Er hatte inzwischen die breiteren Straßen des Villenviertels verlassen und stieg ein paar Stufen zu den schmaleren Gässchen hinab, in Richtung des Hafens und der Soldatenunterkünfte. Er überquerte einen Marktplatz umringt von den Häusern der Mittelklasse. Kaufleute und Handwerker hatten sich hier niedergelassen und die Häuser waren oft zweistöckig mit Dachterrasse und Innenhof. Dazwischen befanden sich immer wieder angebaute kleinere Räumlichkeiten, welche als Nebeneinnahme an Soldaten und Reisende vermietet wurden. Wenn Jebu zu ruhigen Zeiten nur 1000 Einwohner hatte, so konnte die Zahl schnell auf das vielfache ansteigen, wenn Karawanen oder Schiffe Einkehr hielten. Bis zu den Kasernen war es von hier nicht mehr weit; aber die waren überfüllt und oft nicht sehr sauber, so dass Sunu sich entschieden hatte, zur Miete zu wohnen. Er teilte sich sein Quartier mit seinem Schreiber, Tunip, der seinen ganzen Schreibkram übernahm. …

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