… Er war kein Frauenverächter, wirklich nicht, aber eine Frau auf einem Kriegswagen konnte er sich fürwahr nicht vorstellen. Er war als Wagenlenker und Bogenschütze ausgebildet und schon für einen Mann war es manchmal schwierig, ein feuriges Gespann zu lenken oder einen starken Bogen zu spannen. Ein Grinsen unterdrückend stellte er sich vor, dass Wagen und Bogen von Soldaten bedient werden würden und die Königin als hübscher Zierrat im Hintergrund stand. Solche Gedanken durfte er natürlich niemals laut aussprechen oder auch nur andeuten. Die Herrscherin beider Länder verstand, wenn es um ihre Stellung ging, keinerlei Spaß und es könnte Sunu sehr schnell den Kopf kosten, wenn er diesbezüglich auch nur von anderen zitiert werden würde. Langsam und majestätisch glitt nun das riesige Palastschiff an den Kai heran. An Bord und auf den Stufen der Anlegestelle drängten sich Matrosen und Angestellte des Hafens, um es so nahe wie möglich ans Land zu bringen. Die verbleibenden kleinen Abstände wurden mit zahllosen vergoldeten Rampen überbrückt, damit die Königin und der Hofstaat angemessen an Land gebracht werden konnten. Kaum hatte der Fuß des ersten Trägersklaven des königlichen Thronsessels festes Land berührt, klatschte Sunu in die Hände und das riesige, doppelflüglige Tor zur Stadt wurde für den Troß geöffnet. Der Wust an Menschen ordnete sich unter der Anleitung des edel gekleideten Zeremonienmeisters. Ein prächtiger Anblick bot sich den Bewohnern von Jebu, als die riesigen Torflügel aufschwangen und sich der prunkvolle Zug in Bewegung setzte. Erst jetzt konnte auch Sunu seine Neugierde befriedigen. Angeführt wurde der Troß von etwa 50 Tänzerinnen verschiedener Hautfarben, welche nur mit Schmuck und Lendengürteln bekleidet sich in akrobatischen Kunststücken wanden. Danach folgten die Musiker, die mit Tamburinen, Lauten und Rasseln die Bewegungen der Mädchen untermalten. Die ernst blickenden, kahlköpfigen, weißgekleideten Priester umringten den Thron der Königin. Immer in nächster Nähe der Herrin beider Länder hielten sich zwei riesige Schwarze auf, ihre Leibwächter. Die Oberpriester, in teure Raubtierfelle gekleidet, schickten aus bronzenen Gefäßen Wolken edelsten Weihrauchs gen Himmel. Hinter dem Thron schlossen sich die komfortablen Sänften der unzähligen Angehörigen des Hofstaates an und denen wiederum folgte die Dienerschaft und die Sklaven mit Eselswagen voller Gebrauchsgegenstände ohne die Damen oder Herren von Stand nicht auf Reisen gingen. …

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