… An die häufigere Anwesenheit der schönen Tuja an der Seite der göttlichen Gemahlin hatte sich der Hof bereits gewöhnt und das anfängliche Getuschel hinter vorgehaltener Hand über die Umstände, die Tuja zur Hofdame gemacht hatten, war verstummt. Es geschah nicht oft, dass eine Haremsdame den Harim wieder verlassen durfte. Normalerweise verbrachten die Frauen, auch wenn dass Interesse ihres jeweiligen Herrn nachließ, den Rest ihres Lebens im Luxus ihres angenehmen Aufenthaltsortes. Das Verlassen musste von höchster Stelle genehmigt werden. Da Thutmosis aber noch nicht von seinem Feldzug zurückgekehrt war und somit Hatschepsut das alleinige Sagen hatte, stellte man ihre Entscheidung nicht in Frage; war doch auch die Launenhaftigkeit des neuen Pharao bekannt – vielleicht war er seines schönen Spielzeuges einfach überdrüssig geworden? Zur heutigen Jagd waren nur etwa zehn Personen anwesend, da der Nil im Sinken war und man nur ein flacheres Boot einsetzen konnte. Allen voran betrat Hatschepsut die Planken des Schiffs. Trotzdem es nicht riesig war, bot es den zehn Menschen bequem Platz. Seine Planken waren vergoldet und den Bug zierten zwei große bunte Horusaugen. In der Mitte des Decks erhob sich ein Zelt aus fließenden bunten Stoffen, welches später Schutz vor der Mittagshitze bieten sollte. Es war mit Sitzkissen und niederen Tischchen ausgestatten und ließ es an Bequemlichkeit nicht mangeln. Natürlich fehlten auch nicht ein paar Dienerinnen, die für die Erfrischungen zuständig waren. Schwatzend betraten die jungen Leute nach ihrer Königin das leicht schwankende Schiff. Man hatte zu dieser Jagd Wurfhölzer bevorzugt. Diese waren nicht so sperrig wie Pfeil und Bogen und leichter zu handhaben, wenn man durch das dichte Schilf des Nilufers glitt, um die Wildenten aufzuscheuchen. Hatschepsut stellte sich an den Bug des Jagdskiffs und winkte Tuja zu sich. „Lange wird es nicht mehr dauern, und die Trockenzeit bricht an.“ Die Königin wies auf die Ufer wo an den Markierungsstrichen der Priester, welche den Wasserpegel anzeigten, bereits deutlich ersichtlich war, dass das Wasser gesunken war. Zu diesem Jagdausflug war zum Schutz der Königin nur Sunu anwesend. Geb und Hui durften aus Platzmangel den heutigen Tag freinehmen. Natürlich begleitete auch Senmut die Jagdgesellschaft, was Sunu sehr recht war. Die alleinige Verantwortung für die göttliche Gemahlin und die Dame Tuja lastete doch schwer auf seinen Schultern; …

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