In den Wintermonaten hat sich Elsa nicht bei mir gemeldet. Nichts Ungewöhnliches, sie ist ein Sonnenmensch. An den großen Karton im Schrank hatte ich schon lange nicht mehr gedacht. Die wärmende Sonne weckt die Natur, die Erde duftet nach Frühling und die ersten Knospen der Sträucher brechen auf. Rosa, blaue und weiße Blüten, der wildsüße Duft der Mirabelle, eine Zeit, die mich an Elsa denken lässt. Noch nie hat sie sich angekündigt oder gar plötzlich geklingelt. Sie weiß, wo sie mich findet und steht dann einfach neben mir. Sie ist ungehalten, wenn ich dann für sie nicht alles stehen und liegen lasse.
Ein herrlicher Frühlingstag, alle Arbeiten sind getan, die Rosen entholzt und geschnitten. Kein Unkraut in der feucht glänzenden Erde und die ersten Sonnenstrahlen wärmen die Luft. In der letzten Zeit denke ich wieder oft an sie. Sollte ich vielleicht die Gelegenheit nutzen, jetzt den großen Karton zu öffnen und in den Büchern lesen? Der Karton ist schwer und ausladend, die Gartenbank ist für ihn und mich fast zu schmal. Die duftenden Sträucher versöhnen mich mit der schweren Last. Versunken beginne ich, mich seinemInhalthinzugeben.Ein„Hallo“lässtmichaufblicken. Da ist sie wieder! Wie immer ohne Vorankündigung, sie ist ganz einfach durch den Seiteneingang in den Garten gekommen. Sie kennt mein Leben. Entgegen ihren Gewohnheiten ist ihr „Hallo“ matt und dumpf. Ich vermisse ihr langgezogenes „O“ am Ende, es ist doch Frühling.
Elsa ist müde, ihr prächtiges Haar hängt herab, Augen, Haut und Lippen sind farblos und bleich. Ich spüre, dass es ihr nicht gut geht. Mit letzter Kraft schubst sie den Karton von der Bank und setzt sich neben mich. In der untergehenden Abendsonne ist sie ein Schatten ihrer selbst, sie wirft mir meine gute Laune vor. Elsa braucht meine Hilfe. Bemüht, immer alles gut und richtig zu machen, war bei ihr doch so viel daneben gegangen.
Der Sonnenuntergang und der aufkommende Wind lassen mich frieren. Elsas Andeutungen sind unkonkret. Der Blütenduft und die Freude, Elsa bei mir zu haben, macht mich unsensibel, und der Karton mit ihren Heften und dem Fotoalbum macht sie ärgerlich. „Das ist Vergangenheit, was zählt ist die Gegenwart.“ Nur noch schweigsames Nebeneinander, Desinteresse und Ignoranz wechseln mit Zynismus und Spott. Sie fragt mich, was sie falsch gemacht hat. „Meine liebe Elsa, was soll ich dazu sagen? Soll ich Dich trösten und Dir Mut machen oder möchtest Du die Wahrheit wissen? …
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