Wie lange sie neben Jessica gekauert hatte und deren kalte Hand in ihren gefühllosen Fingern hielt, konnte sie nicht sagen. Die Zeit, die Sam so gerne zurückgedreht hätte, stand still. Sams Bewegungsunfähigkeit dauerte so lange, bis sie hinter sich ein leises Stöhnen vernahm. Mit einem Ruck sprang sie auf, hastete hinaus in den Garten. Hektisch sah sie sich um. Ihr Blick fiel auf eine rostige Heckenschere, die auf dem fleckigen Tisch draußen auf der Veranda lag. Sie griff die Schere und trennte die Wäscheleine, die über eine Hälfte der Veranda gespannt war, durch. Das rostige Ding funktionierte gut. Sie hastete zurück in die Laube. Im Vorbeigehen schloss sie ihre Finger um die oberste Sprosse eines alten Holzstuhles und stellte ihn hinter Jessicas Peiniger auf. Als das fette Schwein sich benommen aufrichtete, drückte sie ihn auf den Stuhl und fesselte seinen Oberkörper mit der Wäscheleine an die Stuhllehne. Sam trat vor den Mann, um ihn genau zu betrachten. Er war ca. Anfang Fünfzig, mit engstehenden, dunklen Augen in einem grobschlächtigen Gesicht. Besonders auffällig waren seine vollen, wulstigen Lippen. Er hatte lackschwarzes dichtes Haar, das mit grauen Strähnen durchzogen war und ihm feucht in die Stirn fiel. Über seinem linken Ohr sickerte etwas Blut über seine Schläfe. Der Mann stöhnte. Unter seinen Achseln hatten sich riesige Schweißflecke auf seinem mitternachtsblauen Seidenhemd ausgebreitet. Die beigefarbene Hose war ihm zusammen mit seiner Unterhose bis runter auf die Knöchel gerutscht und fiel auf seine teuren, handgenähten italienischen Schuhe. Der Mann war fett, mit einer gewaltigen Wampe, die ihm im Sitzen bis auf die Oberschenkel fiel. Sein Schwanz war zusammengeschrumpft und unter dem riesigen Bauch nicht zu sehen. Sam ging vor ihm auf und ab und strich sich fahrig eine Strähne aus der Stirn. Ihr Atem ging heftig und stoßweise, als habe sie soeben einen 400 m Sprint absolviert.
Trauer lauerte wie ein zusammengekauerter schwarzer Schatten in der hintersten Ecke ihres Gehirns, bereit, sie jeden Augenblick wie ein Raubtier anzuspringen und aufzufressen. Sie fürchtete, den Verstand zu verlieren, sollte sie sich gestatten, ihrer Trauer nachzugeben. Ein Ruck ging durch ihren Körper. Sie hockte sich vor den Mann und zog an der Schnalle seines Gürtels, bis sie den Gürtel ganz in Händen hielt. …
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