Kapitel 8
Sam stand wie hypnotisiert vor dem purpurnen Vorhang und starrte das Muster der Fäden in dem rauen Stoff an. Fast schüchtern berührten ihre Hände die schweren Falten. Der Vorhang war in der Mitte geteilt. Sam schob mit klopfendem Herzen die beiden Hälften zur Seite. Das Licht hinter ihr ermöglichte es, dass sie einigermaßen einschätzen konnte, auf was sie hier gestoßen war. Sam runzelte die Stirn. Befand sie sich doch im Keller des Gebäudes, wo auch Summersbys Laden untergebracht war? Sie blickte in einen langgezogenen Raum, dessen Ende sie im Dunkeln nicht erkennen konnte. So sehr Sam ihre Augen auch anstrengte, sie konnte nichts Genaues erkennen. Rechts und links zogen sich lange Plastik- oder Glasflächen, die Summersby als Lagerplatz für ausrangierte Schaufensterpuppen dienten. Die dunklen Umrisse der nebeneinander aufgereihten, kindergroßen Puppen schienen sich im Dunkel des Raumes in der Unendlichkeit zu verlieren. Sam tat einen zögernden Schritt nach vorn. Zuerst tastete sie mit der linken Hand nach einem möglichen Lichtschalter. Sam hörte ein metallisches Klicken, als sie nervös schluckte. Schweiß trat ihr aus allen Poren und bildete einen kalten Film auf ihrer Haut, so dass sie Gänsehaut bekam. Jeden Moment rechnete sie damit, dass kalte Finger aus der Dunkelheit vorschossen und nach ihr griffen. Sie atmete tief durch. „Warum zum Teufel stellst du dich so an? Ist doch nur ein harmloser Lagerraum.“ Sam zwang sich, auch mit der rechten Hand nach einem Lichtschalter zu suchen. Auf dieser Seite hatte sie mehr Glück. Sams Finger drückten den Kippschalter und plötzlich war der Raum vor ihr in sanftes, goldenes Licht getaucht. Sam runzelte die Stirn. Merkwürdige Beleuchtung für einen Lagerraum. Sehr stimmungsvoll aber ungeeignet, um eine anständige Lagerhaltung vorzunehmen. Immer noch waren ihre Nerven zum Zerreißen gespannt und es kam ihr vor, als würden tausend winziger Hände an den Nerven entlang ihrer Wirbelsäule zupfen. Ihr Blick fiel auf die gegenüberliegende Wand. Sie war in dem gleichen purpurnen Farbton gestrichen, wie der Vorhang, durch den sie soeben getreten war. Vor dieser Wand stand eine weiße Marmorsäule, die sich am oberen Ende in zwei marmorne Flügel teilte. Die Säule war hoch, so dass sie dem vor ihr stehenden Besucher bequem als Lesepult dienen konnte. …
...war OK - weiter lesen ►
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen ►
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
3154 Leser seit 1. Jan. 2025 für diesen Abschnitt
Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!