So gesehen war das Dasein für ihn ein erfülltes, ein fröhlich-unbeschwertes. Und auch sein Ende empfand er - in den letzten Zügen der Gewissheit - als eine Überraschung und keineswegs als Bestrafung für irgendein Vergehen oder eine Unterlassung." Jetzt spätestens dämmerte es allen, worauf der nun nicht mehr so steif dastehende Friedrich hinauswollte, man sah es dem einmütigen Nicken an.
Besonders einer, ein mittelalterlicher, leicht angegrauter Herr mit Pfeife lächelte des öfteren und pflichtete den akzentuierten Redewendungen sehr offenkundig mimisch bei.
Mehrmals unterbrach er sein Rauchzeremoniell und zeigte seine und zeigte seine Zustimmung oft in einer Weise, wie dies nur Lehrer tun, wenn sie einen Vorzugsschüler prüfen.
Und so einer wird er auch sein, dachte ich mir.
Das ganz sympathische aussehende vis-a-vis musste sein Deutschprofessor gewesen sein.
Oder vielleicht doch Latein. Jedenfalls etwas Humanistisches. Er war gewohnt, dass ihn viele Menschen gleichzeitig ansahen, und es machte ihm auch nichts aus, wenn man seine Körpersprache auf´s Genaueste beobachtete, wie ich das jetzt tat. Ich vermutete, dass Friedrich sich im Aufwind speziell seiner Beipflichtung zu so mancher besonders kräftigen Formulierung hinreißen lassen hat. Somit lief das Spiel von Schicksalsbewältigung und anfänglicher Verwirrung letztlich dennoch auf ein versöhnliches Ende hinaus.
"Und deshalb wollen wir seinem Abgang nicht mit düsteren Gedanken nachhängen - und ihm nur noch freudige nachsenden, trotz unserer Wehmut. Dort, wo er nun weilt, dort treffen wir uns alle wieder. Und nicht nur wir, sondern alle, die je gelebt haben. So hat es die Natur bestimmt, und damit wollen wir uns abfinden.
So - und jetzt bitte den Ober rufen und weitere Getränke bestellen !" Der Professor zeigte sich recht erstaunt über die abrupte Abkehr vom Jenseits, fasste sich aber gleich wieder und verschwand in einer dichten Rauchwolke.
Einige Male begegneten sich unsere Blicke, die Sitzordnung wurde jedoch beibehalten, nur Friedrich ging von Gast zu Gast und überreichte Fotografien seines verunglückten Sohnes.
Im Schankraum, als ich nach meinem Mantel griff, sah ich den Professor neben mir.
Auch er war am gehen.
Es war ein kalter, feuchter Herbstnachmittag und schon ziemlich dämmrig.
Das Laub verschmierte den Gehsteig, und die Straßenlampen ließen die Allee als einen dumpfen Silbertunnel erscheinen.
Wir folgten den Wolken unseres ausgestoßenen Atems. …
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