So gesehen
Es war eine jener friedhofsnahen Gastwirtschaften, die nur für Trauergesellschaften bestimmt zu sein scheinen.
Ein winziges Schankzimmer und daran anschließend - hinter Mattglasscheiben - ein Langer Raum mit einer U-förmigen Tafel. Ölgetrenkter Bretterboden und düsteres Licht, das die paar Heiligenbilder sehr streng aussehen ließ.
Alles saß schon dicht beieinander, es murmelte und schnupfte in einem fort, der Kellner hievte ein Tablett an den einzig freien Platz am Tisch und verteilte von da aus die vollen Gläser.
Als die beiden Türflügel vehement aufgestoßen wurden, verflachte das Geflüster, und auch der Kellner verzog sich rasch vor dem schwer daherschreitenden Friedrich.
Die meisten Anwesenden hatten insgeheim mehr Angst als Ehrfurcht vor dem Schmerz dieses wankenden Kolosses. So manch einer sah beinahe schuldbewusst drein.
Friedrich, an seinem Platz an der Stirnseite angekommen, schleuderte den Hut wuchtig auf den Tisch und stützte sich sogleich mit den Fäusten auf.
Langsam und bohrend musterte er einen nach dem anderen, kaum einer hielt ihm stand.
Dann kam es leise und doch gar nicht zur allgemeinen Erleichterung aus ihm heraus - ein erster Satz, trocken, metallisch, mit einem Einschlag von Ironie : "In solchen Augenblicken hat man seine Freunde gerne um sich" Seine Augen schweiften zur Decke, ein aufkommendes Schluchzen in der Zuhörerschaft wehrte er mit einem angewiderten Kopfnicken ab.
Stille - hierauf dröhnte es wie ein Donnerwetter : "Und dennoch klage ich so manchen von euch an !" Einige Stühle rückte etwas von der Tafel ab. Zwei, drei Feuerzeuge klickten, der Ober fing Seine stürmische Herinkommens-Bewegung abrupt ab und glitt mit vollem Tablett in die Schank zurück.
"Diejenigen, die sich bloß selbst bedauern, die endlich einen Anlass für ihre Schmerzens- Wollust gefunden haben - an dem raschen Verglühen eines so jungen Lebens." Friedrich stand jetzt kerzengerade da, einen Punkt in weiter Ferne fixierend. Der Druck auf die Trauergäste ließ sichtlich etwas nach. Einige fühlten sich nicht betroffen, andere verstanden nicht ganz, wie diese Worte gemeint waren.
"Seine Jahre waren ausgefüllt von außerordentlichen Ereignissen, von solchen, die sein Interesse fesselten, und solchen, die in ihm Heiterkeit, bisweilen sogar Ausgelassenheit hervorriefen. E r kannte noch keinen Lebenskampf, e r musste mit der Heuchelei und der Mittelmäßigkeit noch keine Kompromisse schließen, vor allem musste er nie resignieren vor der Hartnäckigkeit des Unabänderlichen. …
...war OK - weiter lesen ►
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen ►
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
311 Leser seit 1. Jan. 2025 für diesen Abschnitt
Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!