Plötzlich ist der Juppi aus seinem Traum gestoßen worden, weil ihn die Katrin bereits zum vierten Mal an der Schulter gerüttelt hat. „Aufwachen, Juppi, es ist Zeit. Wir wollen ins Bett.“
Der Nachhauseweg hat sich gezogen, ewig und ewig, und einmal, als er eine Straße überquert hat, die er gar nicht hätte überqueren müssen, ist er fast in einen roten Daimler hineingerannt, die Stoßstange hat schon seine Hosenbeine berührt. Irgendwann hat er sein Bett doch noch gefunden, aber es hat sich fürchterlich schnell gedreht. Und die Morgensonne hat ihm nach der mühsamen Nacht rücksichtslos in die Augen gelangt. Der Kopf, der Bauch, sämtliches Gekröse, alles kaputt. Aber neben dem Stöhnen und Jammern ist dann doch Kraft genug übriggeblieben zum Grübeln. Ob er wohl am Montag schon wieder in der Lage sein würde, um sechs aufzustehen und zur Arbeit zu gehen?
Sie hat gereicht, die Kraft, natürlich, und kein Vorwurf in Richtung Kare, nicht mal die Nebenbeifrage Wo-warst-du. Nichts. Nur ein wenig maulfaul war er.
Und jetzt im kalten Novemberniesel geht ihm ein Licht auf. Daß er das so lange hat übersehen können. Das Mädchen von der Kasse, sein Schneewittchen von damals, ist niemand anders als die nackte Löwenreiterin. Deswegen ist der Traum von dem Tag an weggeblieben. Und plötzlich hat es der Juppi auch nicht länger geschafft, dort wegzuhören, wo er bisher weggehört hat: wenn er mehr als tausend Mark gewinne, hat sie gesagt, müsse er sie zum Essen einladen. Jetzt wird ihm auch klar, warum sie ausgerechnet auf einem Löwen reitet. Es gibt da nämlich ein Haus, ein Hotel zum Goldenen Löwen, das ist so... Ja, dem Juppi fällt keine andere Bezeichnung ein als supervornehm. Im Bierbauch gibt es grad mal Pommes oder einen belegtes Butterbrot und einen Automaten mit gesalzenen Erdnüssen. Aber da - uniformierte Kellner, Kerzen auf den Tischen, Silberbesteck. Die Speisekarte ist so lang wie die Bibel und die Preise so hoch wie die Wolken. Oft genug muß er daran vorbei, wenn er zur Arbeit geht o!
der mit lahmem Kreuz abends heimschleicht, dann schwört er sich jedesmal, irgendwann werde er auch... Irgendwann. Und sieht sich sitzen in einer Fensternische, Kerzenschimmer, Mozartmusik, träumt vom Schmelz der Zweisamkeit, von Blicken voller Ich-und-Du...
Und jetzt ist Irgendwann. Wann sonst, wenn nicht jetzt? Noch nie war er seinen Träumen so nahe, dem im Wachen vom Goldenen Löwen nicht und dem anderen, der ihn einmal so geplagt hat, erst recht nicht. …
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