„Daß der Klügere nachgibt. Gehab dich wohl, Herr Juppi.“
Damit steht der Emil auf, obwohl seine Flasche noch fast voll ist.
Na also, denkt der Juppi. Bloß, jetzt hat er zwar schon wieder gewonnen, aber so recht dran freuen kann sich auch diesmal nicht. Weil, vielleicht wäre das Gezerfe mit dem pomadigen Emil ja immer noch besser gewesen als alleine hier rumzusitzen.
Und sitzt und wartet. Es kommt aber keiner.
Vielleicht ist der Juppi deswegen auf die Idee gekommen: morgen, Samstag, Goldener Löwe. Mit einem Basta dahinter so stur wie der Watzmann. Ob mit oder ohne Schneewittchen. Selber schuld, wenn sie nicht Ja sagt. Das Geld wird er sich aus seiner Spardose vorschießen, der Gewinn wird sie wieder auffüllen.
Er freut sich wie ein Kind, das zur Oma nach Hamburg darf. Aber da ist auch eine kleine Gänsehaut wie bei jedem Abenteuer. Man weiß halt nie, was dabei herauskommt. Und noch etwas, der Goldene Löwe ist nicht der Bierbauch, er hat weder Anzug noch Krawatte. Er muß sich entscheiden: kaufen oder pumpen. Denn ohne, unmöglich. Der Kare hätte sicher einen. Und die richtige Größe auch. Und hergeben, für einmal, keine Frage. Der Kare ist sein Freund, wird schon noch kommen.
Er wartet. Rutscht auf dem Stuhl herum. Die Minuten gerinnen zu Ewigkeiten. Aber die Tür bleibt zu. Wer geht bei dem Wetter schon aus dem Haus, wenn er nicht muß?
Er wird der anderen Seite eine Chance einräumen, eine halbe Stunde.
Die halbe Stunde vergeht. Kein Kare. Überhaupt niemand. Er verlängert um fünfzehn Minuten. Verlängert ein zweites, ein drittes Mal...
Was kostet so ein Anzug? Drei Hunderter, fünf? Haben täte er die schon... Aber fünf Hunderter, für nichts und wieder nichts. Weil, einmal ist wie nichts...
Aber vielleicht geh ich ja dann öfter so wo hin, Konzert, Theater. Weiß man's?
Bis obenhin voller Vorsätze trinkt er aus, und die letzten Tropfen, die ihm durch die Kehle rinnen, bringen auch die rettende Idee mit.
Er winkt die Katrin heran. Ob sie einen Moment Zeit habe. Und deutet auf den Stuhl gegenüber.
„Aber nur für ein Momenterl. Und weil du's bist, Juppi. Also, was hast auf'm Herzen?“
„Dein Mann, was tut der eigentlich so den ganzen Tag?“
„Was kümmert\'s dich“, fährt ihn die Katrin an, will schon wieder aufstehen.
„Schon gut, Katrin, geht mich nichts an, aber sag, eigentlich geht er doch eher selten aus. Ich mein so richtig, Anzug, weißes Hemd und so?“
„Kaum.“ Sie bleibt mißtrauisch.
…
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