Der Juppi schweigt.
„Einen kleinen Sherry vielleicht? Oder einen Campari, einen Pernod?“
Der Juppi schweigt. Wozu einen Aperitif? Und was ist das eigentlich?
„Ein Bier, bitte. Ein großes.“
„Tut mir leid, mein Herr, um diese Zeit schenken wir nur noch Weine aus.“ Der Kellner rückt ihm die Getränkekarte zurecht, schlägt sie auf. „Wenn Sie bitte wählen wollen.“
Damit hat der Juppi nicht gerechnet. Der Kellner ist neben ihm, er sieht ihn nur aus den Augenwinkeln, aber er fühlt sich in seine Gegenwart eingerollt wie in einen stickigen, staubigen Fußabtreter.
Er starrt auf die Buchstaben und versucht zu begreifen. Riesling, Ruländer, Eiswein, leicht moussierend, erdig, blumig.
„Dann nehme ich ein Viertel Haustrunk weiß“, sagt er zaghaft.
„Sehr wohl, der Herr. Sie haben gut gewählt, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.“
Das Ächzen entfernt sich, die Teppichumarmung lockert sich. Der Juppi ärgert sich über sich. Wahrscheinlich stören den guten Mann die Dinger genauso, überlegt er, streckt die Beine aus und langt wieder in die Hosentasche, betastet die drei Hunderter, rollt sie zusammen, knickt sie, läßt die Finger mit ihnen sprechen. Manche Träume erfüllen sich eben etwas anders, als man sich das vorstellt...
Da springt ihm das verhaßte Geräusch abermals ins Genick. Er verfolgt den Weg des Kellners mit den Ohren. Auf einem silbernen Tablett serviert dieser dem Gast die Karaffe mit dem Haustrunk. Stellt ein Körbchen mit Weißbrot und ein Schälchen mit einer Butterlocke dazu. Schenkt ein, vornehm wenig, und steht und wartet.
Der Juppi sitzt, als ob er einen Besenstiel verschluckt hätte.
„Hat der Herr schon gewählt?“
„Noch nicht.“
„Wir empfehlen heute unser Menü eins. Eine Zwiebelsuppe mit Croutons und einem Sahnehäubchen, Entrecote mit Petersilienkartöffelchen auf Buttererbsen und als Dessert Vanilleeis mit heißen Himbeeren.“
„Ja, bitte.“
„Sehr wohl. Wünschen der Herr ein Entree?“
Der Juppi will den Mann jetzt nur noch loswerden. Nur mühsam bringt er ein „Danke nein“ zustande.
Doch der Kellner weicht ihm nicht von der Seite. Hat diesmal auch keine Empfehlung. Dafür stürzt er den Gast in noch tiefere Tiefen: Wenn er sich eine Bemerkung erlauben dürfe, sagt er, allein schon die Vorstellung, zu einem Entrecote einen Weißwein zu trinken, tue ihm weh. Ob er dem Herrn nicht vielleicht einen Roten bringen dürfe?
Zitternd greift der Juppi nach der Getränkekarte, hechelt über die Seiten, nimmt den, der ganz oben steht: „Hex von Dasenstein“, und kleiner darunter: „samtig, süffig, lieblich. …
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